Eines Tages ist es Zeit für den Abschied vom Stillen. Der Zeitpunkt kann sehr unterschiedlich sein und hängt von vielen Faktoren ab. Vielleicht stillst du als Mama früh ab, da du persönliche oder gesundheitliche Gründe hast. Eventuell funktioniert das Stillen nicht so gut oder aber du hast euer Kleines lange und gern gestillt, nun aber verliert das Kind immer mehr Interesse und auch du hast das Gefühl, dass ihr beide nun Abschied von der Stillzeit nehmen könnt.
Es ist euer Weg, finde den für euch passenden
Klar, Muttermilch versorgt euer Baby mit wertvollen Nährstoffen und schafft auch eine tiefe emotionale Bindung zwischen dir und eurem Kind. Mit dem Stillen versorgst du euer Kind natürlich und optimal angepasst.
Mit gutem Grund empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die deutsche Still-Leitlinie, Babys bis zum sechsten Monat ausschließlich zu stillen. Aber nicht immer passt langes oder auch kurzes Stillen. Fühl dich nicht unter Druck gesetzt - es gibt auch gute Gründe, NICHT oder nicht mehr zu stillen.
Stillen funktioniert manchmal nicht oder nicht mehr. Wenn du gern noch weiterstillen möchtest: Gib nicht auf, sondern bitte eine Expertin um Rat.
Stillen ist kein Muss
Wenn du nicht stillen kannst oder nicht ausreichend Milch vorhanden ist, wenn du die Brust nicht (mehr) geben magst oder kannst – dann ist das auch völlig in Ordnung! Ignoriere Stimmen, die dir sagen: "Wie? Du stillst nicht (mehr)?!" Kein Säugling leidet bei uns an einer Mangelernährung, wenn er keine Muttermilch bekommt. Ein Kind, das mit heutiger Formulanahrung großgezogen wird, wird auch sehr gut versorgt und kann eine ebenso enge Bindung aufbauen, denn Nähe und Zärtlichkeit ist ja nicht nur durch Stillen möglich.
Trotzdem muss an dieser Stelle betont werden, dass Stillen nachgewiesene Vorteile für den Säugling hat. Hierzu zählen beispielsweise ein herabgesetztes Risiko für Übergewicht, das Auftreten von Mittelohrentzündungen, Asthma-Risiko und vieles mehr.
Abstillen ist auch Team-Work
Wann und wie du bzw. ihr, denn auch das Kind bestimmt ja mit, abstillt, entscheidet ihr als Mutter-Kind-Team. Findet für euch den richtigen Weg und Zeitpunkt. Allgemeine Tipps sind schwierig, da es ein großer Unterschied ist, ob das Abstillen im Säuglingsalter oder bei einem Kleinkind stattfindet. Aber hier trotzdem einige Ratschläge, die vielleicht auch für dich und euch passen.
Wenn du dich dazu entscheidest, diesen Schritt zu gehen, beginnt der Prozess des Abstillens – medizinisch Ablaktation genannt. Dabei kannst du zwischen primärem, sekundärem und natürlichen Abstillen wählen.
Primäres Abstillen: Manche Mütter können direkt nach der Geburt nicht stillen oder wählen bewusst den Weg, das Baby von Anfang an mit Flaschennahrung zu füttern. Dieses primäre Abstillen kann medikamentös unterstützt werden, indem die Produktion des Stillhormons Prolaktin gehemmt wird. Euer Arzt, eure Ärztin oder eure Hebamme können dir dabei helfen und dir gegebenenfalls entsprechende Medikamente verschreiben.
Sekundäres Abstillen: Manchmal funktioniert das Stillen auch nicht mehr oder schon länger schlecht. Oder das Kind verliert das Interesse, etwa beim Beginn der Beikost. Ob durch Stillprobleme, die Rückkehr in den Beruf oder gesundheitliche Gründe – die Entscheidung für das sekundäre Abstillen wird von der Mutter getroffen. Auch hier ist es wichtig, das Abstillen schrittweise durchzuführen, am besten in Absprache einer Person, die sich auskennt.
Natürliches Abstillen: Natürliches Abstillen geschieht, wenn euer Baby mit der Zeit immer mehr Beikost zu sich nimmt und somit weniger Bedarf am Stillen hat. Dieser Prozess verläuft ganz individuell und wird vom Kind geleitet. Die Milchproduktion verringert sich allmählich, während euer Baby vermehrt andere Nahrung zu sich nimmt. Es ist wichtig, diesen Prozess behutsam zu gestalten und das Kind langsam von der Brust zu entwöhnen.
Tipps für liebevolle Entwöhnung:
- Abschied: Gehe behutsam vor, verändere eure Tagesroutinen. Und lass die Stillmahlzeiten nach und nach ausfallen. Biete eurem Kind die Brust nicht mehr an, aber verweigere sie auch nicht, wenn es danach verlangt.
- Verkürze die Stillmahlzeiten: Signalisiere eurem Kind, dass es nur noch kürzer stillt. Warte also nicht mehr ab, bis es von selbst aufhört.
- Geduld und Zeit: Reduziere die Stillmahlzeiten behutsam, um eurem Körper, Hormonhaushalt und deiner Psyche Zeit zur Anpassung zu geben.
- Milchstau vermeiden: Bei Spannungsgefühlen in den Brüsten kannst du behutsam etwas Milch ausstreichen, um Linderung zu verschaffen.
- Kühlen: Kalte Waschlappen oder Kompressen können bei prallen Brüsten helfen und die Milchproduktion drosseln.
- Enganliegender BH: Ein gut sitzender BH bietet Unterstützung und kann das Spannungsgefühl verringern.
- Emotionale Nähe: Biete eurem Kind weiterhin körperliche Nähe durch Kuscheln, Streicheln, Massagen und Spielen.
Schritt für Schritt weniger Milch
Das sanfte Abstillen ist ein Prozess, der Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen erfordert. Wenn euer Kind immer seltener an deiner Brust trinkt, bildet sich die Milchproduktion allmählich zurück. Die Abstände zwischen den Stillmahlzeiten werden von alleine immer größer.
Und irgendwann stellst du verwundert fest, dass das letzte Stillen schon etliche Tage her ist und euer Kleines nun endgültig kein Stillkind mehr ist.
Jede Mutter und jedes Kind gehen ihren eigenen einzigartigen Weg. Nur ihr beide bestimmt die Richtung und du darfst dich auf dein Bauchgefühl verlassen. Fällt dir das schwer, mach dir klar: Das Ende des Stillens ist auch der Beginn neuer Abenteuer und Entwicklungsschritte. Bist du unsicher, hole dir auf jeden Fall Rat von einer Expertin oder einem Experten.
