Euer Kind schreit und schreit, bis es die Augen verdreht und kurz das Bewusstsein verliert: Kaum jemand, der das zum ersten Mal miterlebt, ist nicht bis ins Mark erschüttert vor Angst um sein Kleines. Deshalb das Wichtigste vorweg: Ein „respiratorischer Affektkrampf“ ist fast immer ungefährlich!
Was passiert bei einem Affektkrampf?
Ein Affektkrampf (auch: Schrei- oder Wutkrampf) hat stets einen emotionalen Auslöser. Bei der bekanntesten Variante schreit sich das Kind förmlich in Rage, sein Gesicht verfärbt sich bläulich, dann kommt es zur Ohnmacht. Die Ursache ist ein kurzzeitiger Sauerstoffmangel im Körper, weil das Kind durch das anhaltende Schreien nicht mehr atmen kann. Die Bewusstlosigkeit macht dem Schreien abrupt ein Ende, und es atmet automatisch wieder ein. Oft ist der Spuk nach ein, zwei Atemzügen vorbei.
Es gibt auch Affektkrämpfe ohne Schreien: Bei diesen erlebt ein Kind ein heftiges Gefühl wie Schmerz oder Erschrecken, sein Blutdruck sinkt ab, und es kippt ohnmächtig um. Mehr zu Varianten und Symptomen findet ihr in der Bibliothek unter „Krankheiten/ Affektkrampf.
Verhaltensstörung, die sich auswächst
Viele Eltern machen sich große Sorgen, dass ihr Kind Schäden von einem Affektkrampf davontragen könnte. Das ist nach heutigem Wissen nicht so, und ein Affektkrampf ist auch kein epileptischer Krampfanfall. Ihr könnt ihn euch als eine spezielle Art von Verhaltensstörung vorstellen, die im Laufe der Entwicklung von selbst wieder aufhört. Denn so ist es: Wenn Kinder größer werden, wächst die Sauerstoffreserve in ihrem Körper, und sie können länger die Luft anhalten, ohne ohnmächtig zu werden. Am häufigsten sind Affektkrämpfe übrigens bei Kindern um die zwei Jahre. Nach der Einschulung kommen sie nur noch sehr selten vor.
Was ihr tun könnt, wenn es passiert
Wer ohnmächtig umkippt, kann sich dabei verletzen. Nehmt euer Kind deshalb in den Arm und haltet es, wenn ihr spürt, dass sich ein Affektkrampf ankündigt. Ist es ohnmächtig, legt es auf den Boden und bringt es in die stabile Seitenlage. Bei einem Affektkrampf durch Schreck oder Schmerz könnt ihr kurz seine Beine hochhalten. Versucht, so ruhig zu bleiben, wie ihr eben könnt, und gebt eurem Kind etwas Zeit, sich zu erholen.
Ist es zum ersten Mal bewusstlos geworden, geht unbedingt auf Nummer Sicher und ruft einen Rettungswagen. In der Klinik wird man es gründlich untersuchen und euch bitten, den Vorfall genau zu schildern. Oft sind die Anzeichen für einen Affektkrampf sehr eindeutig. Wenn ihr nicht direkt dabei wart und ihr das Geschehen nicht beschreiben könnt, entscheiden Ärztin oder Arzt, ob weitere Diagnostik nötig ist, um andere Ursachen auszuschließen.
Keine Angst vor starken Gefühlen: Was ihr tun könnt, wenn euer Kind öfter Affektkrämpfe hat
Haltet die Neigung eures Kindes nicht geheim. Redet mit Familienmitgliedern und anderen Menschen darüber, die Zeit mit eurem Kind verbringen. Dann sind sie vorbereitet, wenn es in ihrem Beisein passiert, und sie können euer Kind besser unterstützen.
Euch als Eltern treibt vielleicht die Frage um, ob ihr denn gar nichts dagegen tun könnt. Das ist absolut verständlich! Ihr solltet aber nicht versuchen, euer Kind vor jedem negativen Gefühl zu schützen, damit es bloß keinen Affektkrampf bekommt. Kinder dürfen starke Gefühle haben und auch mal heftig weinen und schreien. Das müssen wir als Eltern aushalten und ihnen ihre Emotionen zugestehen. Nur wenn sie wissen, wie sich Frust, Zorn und Enttäuschung anfühlen, lernen sie, damit umzugehen.
Aber nichts spricht dagegen, auf einer Flug- oder Bahnreise eine Ausnahme zu machen und das Kind einfach mal abzulenken, bevor es emotional eskaliert …
