Verhalten & Psychologie 5 Min. Lesezeit

Alkohol & Drogen? Keine Chance!

Alkohol & Drogen? Keine Chance!

Auch wenn das Thema gerade für viele noch weit weg scheint: Schon in der Grundschulzeit ist es wichtig, erste Weichen gegen Alkohol- und Drogenmissbrauch zu stellen. Nicht mit erhobenem Zeigefinger und Angst, sondern mit Nähe, Vertrauen und einem offenen Ohr.

Es ist noch nicht zu früh

Gehört ihr zu den Eltern, die das Thema Drogenprävention lieber noch nicht ansprechen möchten? Schließlich kommen Kinder in diesem jungen Alter noch nicht mit Alkohol oder Drogen in Kontakt. Das stimmt natürlich. Aber: Sie sehen es. Auf Werbeplakaten, in Serien, bei anderen Erwachsenen. Und sie stellen Fragen: Warum trinken Erwachsene abends Wein? Was ist im Bier drin? Warum sagt man zu jemandem, er sei „besoffen“? Und was sind Drogen?

Diese ersten Fragen sind ein wunderbarer Moment, um ins Gespräch zu kommen. Am besten so, dass euer Kind versteht, worum es geht, ohne dass ihr es verängstigt. Denn Kinder brauchen nicht nur Regeln, sie brauchen vor allem Orientierung.

Starke Kinder brauchen starke Beziehungen

Es gibt keinen besseren Schutz vor einem riskanten Umgang mit Alkohol und Drogen als eine stabile Bindung zu euch Eltern. Kinder, die wissen, dass sie ernst genommen werden, dass sie offen fragen dürfen und auch schwierige Gefühle äußern können, sind oft weniger anfällig für riskante Entscheidungen und irgendwelche Dinge, die sie nur aus Gruppenzwang machen. 

Gerade in den Grundschuljahren entwickelt sich das Selbstwertgefühl eures Kindes rasant. Die Erfahrung, dass es Dinge alleine bewältigen kann, dass es mit Frust umgehen kann, aber auch Hilfe bekommt, wenn es sie braucht: Das stärkt. Diese innere Stärke ist der beste Schutz, auch später, wenn Versuchungen oder Druck von außen größer werden.

Was Kinder über Alkohol und Drogen wissen sollten

Euer Kind muss (noch) nicht alles im Detail wissen und verstehen. Aber es kann sehr wohl altersgerechte Antworten bekommen. Etwa so:

„Alkohol ist ein Stoff, den Erwachsene manchmal trinken, zum Beispiel als Bier oder Wein. Manche trinken davon so viel, dass sie sich nicht mehr gut fühlen oder sich komisch verhalten. Für Kinder ist Alkohol gefährlich. Und auch für Erwachsene ist er ungesund. Doch es ist wie mit Süßigkeiten: Auch die sind eigentlich nicht gut für dich, daher sollte man sie nur manchmal und in Maßen essen.“

Oder:

„Drogen sind Stoffe, die im Körper etwas verändern. Manche machen, dass man sich fröhlich fühlt, andere machen müde oder verwirrt. Aber sie machen auch krank und süchtig.“

Solche Sätze schaffen ein Fundament zwischen euch und eurem Kind. Wichtig ist, dass euer Kind merkt: Ihr wollt ihm keine Angst einjagen, sondern ihr wollt es schützen.

Warum Vorbildsein zählt

Kinder beobachten mehr als wir denken. Wenn Alkohol im Alltag präsent ist, zum Beispiel regelmäßig zum Entspannen nach Feierabend und auf Partys, sendet das eine Botschaft: „Alkohol gehört ganz selbstverständlich in der Freizeit dazu. Mit Alkohol kann man Spaß haben.“ Umso wichtiger ist es, dass ihr bewusst mit dem Thema umgeht. Das heißt nicht, dass Eltern nichts trinken dürfen – aber wie und wann ihr das tut, wirkt auf euer Kind.

Gut ist, wenn euer Nachwuchs erlebt, dass man auch ganz ohne Alkohol feiern, sich entspannen und fröhlich sein kann. Gerade diese Erfahrungen geben ihm Alternativen an die Hand.

Wann es Zeit für klarere Gespräche wird

Je älter euer Kind wird, desto konkreter werden die Fragen. Und desto eher ist euer Kind mit Situationen konfrontiert, in denen Alkohol, Zigaretten und sogar Drogen auftauchen. Vielleicht in der Verwandtschaft, vielleicht im Sportverein oder bei älteren Freunden von Geschwistern. Sprecht ganz klar und deutlich mit eurem Kind:

„Wir wünschen uns, dass du keine Drogen ausprobierst. Nicht nur, weil sie sehr gefährlich sind, sondern weil du uns wichtig bist. Wenn du etwas wissen willst oder mal nicht weiterweißt: Komm zu uns.“

Solche Sätze wirken oft mehr als jede Warnung. Sie zeigen, dass ihr nicht verurteilt, sondern begleiten wollt.

Was tun, wenn ihr Angst habt, dass euer Kind Alkohol und Drogen konsumiert?

Vielleicht bemerkt ihr bei eurem Teenager-Kind eines Tages Veränderungen: neue Freundeskreise, einen Rückzug, aggressives Verhalten. Das kann viele Gründe haben, muss aber ernst genommen werden. Sprecht mit eurem Kind darüber. Auch hier wieder: ohne Vorwürfe, sondern auf Augenhöhe.

Habt ihr den Verdacht, dass es Alkohol und/oder Drogen konsumiert, müsst ihr das nicht alleine schaffen: Sucht euch frühzeitig Unterstützung, etwa in einer Erziehungs- oder Suchtberatungsstelle. Je früher ihr gegensteuert, desto besser lässt sich gemeinsam ein Weg finden.

Vertrauen schützt besser als Kontrolle

Ihr müsst eure Kinder nicht vor allem bewahren, sie dürfen ihre eigenen Erfahrungen machen – auch wenn sie mal schlecht sind. Aber ihr könnt helfen, gut vorbereitet zu sein: mit innerer Stärke, klaren Werten, einem offenen Ohr für ihre Fragen und vor allem einem Gefühl von Sicherheit, das auch dann trägt, wenn ihr mal nicht dabei seid. Eine Beziehung, in der euer Kind spürt: „Ich darf alles fragen. Und ich bin nicht allein“ – ist der größte Schutzfaktor.

Hier findet ihr als Eltern Infos und Hilfe

  • www.kinderstarkmachen.de (BZgA-Projekt zur Suchtprävention)
  • www.dhs.de (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V.)
  • Lokale Beratungsstellen für Eltern, etwa Jugendamt, Caritas, Diakonie oder kommunale Drogenhilfezentren
JETZT AUCH ALS APP

Kinderarzt-Wissen in der Hosentasche

Über 500 Beiträge, ein wöchentlicher NewsFeed und praktische Tracker für Fieber, Wachstum und Medikamente – entwickelt von Kinderarzt Dr. med. Vitor Gatinho.

  • Fieberkurve & Medi-Tracker
  • Wachstums-Tracker
  • 500+ Beiträge
  • Bis zu 3 Kinder

4,9★ App-Bewertung · 200.000+ Downloads

Kids Doc App Fieberkurve & Medikamenten-Tracker
Kids Doc App Wachstums-Tracker mit Größen- und Gewichtskurve
Kids Doc App Stillzeiten-Tracker mit Start-Timer links und rechts
Fieberkurve & Medi-Tracker