Alltag & Organisation 12 Min. Lesezeit

Fieber – und jetzt? 17 Antworten

Fieber – und jetzt? 17 Antworten

Wenn das Fieberthermometer über die magische Grenze von 38,5 °C steigt, das Kind glüht und die Augen glasig sind, werden wir Eltern häufig nervös. Ist das jetzt schlimm? Dürfen oder sollten wir Fiebersenker geben? Und was macht man nur bei einem Fieberkrampf? Keine Panik, sagt Kids.Doc Vitor, alles halb so wild.

1. Wie entsteht Fieber?

Durch Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien, die im Blut zirkulieren und im Gehirn das Signal für Fieber auslösen. Als Folge davon erhöht der Körper seine Kerntemperatur, die normalerweise bei rund 37 °C liegt. Das Plus an innerer Wärme hilft dabei, die Erreger zu bekämpfen. Sie können sich dann nicht mehr so gut vermehren.

2. Ab welcher Temperatur haben Kinder Fieber?

Alles unter 38 °C ist unbedenklich. Bei Babys gilt eine Temperatur ab 38 °C als Fieber – sie müssen bis zum Alter von drei, besser sechs Monaten unbedingt innerhalb eines Tages zur Kinderärztin oder dem Arzt: Dahinter kann etwa eine Blutvergiftung oder ein Harnwegsinfekt stecken, beides muss schnell mit Antibiotikum behandelt werden. Bei Kindern ab einem Jahr spricht man bei 38,5 °C von Fieber!

3. Ist Fieber grundsätzlich schlimm?

Nein. Es zeigt lediglich, dass die Immunabwehr funktioniert und der Körper mit einer höheren Temperatur seine Abwehrkräfte gegen Viren oder Bakterien mobilisiert. Fieber ist also nur ein Symptom – das bei Kindern viel häufiger auftritt als bei Erwachsenen. Oft stecken Krankheiten wie ein grippaler oder ein Magen-Darm-Infekt, eine Mittelohr- oder eine Mandelentzündung dahinter, die nach ein paar Tagen wieder verschwunden sind.

4. Welche Symptome macht Fieber?

Kinder wollen oft weniger oder gar nichts essen, sind schlapp oder frieren. Dazu kommen glasige Augen, rote Wangen, glühende Haut. Häufig sind Hände und Füße eisig, weil der Körper bei Fieber versucht, seinen Kern aufzuheizen und alle Wärme nach innen schickt. Deshalb gilt folgende Faustregel: Sind Hände und Füße kalt, steigt das Fieber wahrscheinlich noch. Sind sie warm, ist das Fieberplateau erreicht.

Dass Fieber nur ein Symptom ist, bedeutet übrigens auch, dass es nicht verwunderlich oder schlecht ist, wenn das Fieber nach der Gabe von Fiebersenkern wieder kommt.

5. Wie und wo misst man Fieber richtig?

Bis zum zweiten Lebensjahr am besten im Po. Dafür gibt es spezielle Thermometer mit flexibler Spitze, um das Messen – es sind nur ein paar Sekunden – für euer Kind so angenehm wie möglich zu halten. Erklärt eurem Kind vorab, was ihr vorhabt und warum das wichtig ist. Lenkt es dann mit einer Geschichte oder einem Spielzeug ab. Am entspanntesten kommt ihr in den Po, wenn ihr euer Baby mit angewinkelten Beinchen auf die Seite dreht oder ihr die Beine in Rückenlage sanft nach oben hebt. Ein Klecks Creme auf der Spitze des Thermometers hilft ebenfalls.

Mit Kleinkindern wird dieses Prozedere oft schwierig. Ein Ohrthermometer ist dann die Alternative. Oft weichen die Werte, die man rechts und links misst, voneinander ab. Rechnet einfach mit dem Mittelwert der Messungen.

Fieberthermometer für den Mund funktionieren ab etwa fünf Jahren gut. Die Spitze legt ihr unter die Zunge – etwa dort, wo der zweite Backenzahn ist.

Auch Stirn- und Schnullerthermometer sind okay, aber viel anfälliger für falsche Werte. Unter der Achsel misst man dagegen nicht mehr, weil die Angaben definitiv zu ungenau sind.

6. Ist die Temperatur der einzig relevante Wert?

Nein, sie ist nur ein Anhaltspunkt. Viel wichtiger ist der Gesamtzustand eures Kindes. Zeigt das Thermometer 39,5 °C an und euer Kind hüpft trotzdem herum, spielt, isst und trinkt, braucht ihr das Fieber nicht zu senken. Hängt euer Kind aber total in den Seilen, quengelt viel, trinkt nichts und hat überraschenderweise nur 38,2 °C, ist auch dann ein Fiebersenker völlig in Ordnung.

7. Was machen wir bei Fieber als erstes?

Bei Schüttelfrost packt ihr euer Kind warm ein. Wenn es beginnt, heiß zu werden und zu schwitzen: unbedingt aufdecken, sonst droht eine Überhitzung! Dazu sorgt ihr dafür, dass es möglichst viel Ruhe gibt – auch wenn eventuell gerade ein Fiebersenker wirkt.

Achtet außerdem unbedingt darauf, dass euer Kind genug trinkt, da Fieber dem Körper Flüssigkeit entzieht. Geeignet sind Wasser, Tee, leichte Schorlen oder Muttermilch, wenn es gestillt wird (dann einfach öfter anlegen).

Nicht ganz so wichtig ist der Appetit. Wenn euer Kind nichts mag, ist das schon mal ein, zwei Tage okay. Vielleicht hat es aber doch Lust auf leicht Verdauliches und Schluckbares wie Apfelmus, Griesbrei oder Hühnersuppe mit Nudeln?

8. Wann sollten wir in die Praxis oder die Notaufnahme?

Wie schon erwähnt: Mit einem Baby unter sechs Monaten, bei dem das Thermometer 38,0 °C oder mehr anzeigt, müsst ihr so schnell es geht in die Praxis oder am Wochenende zum Notdienst oder in die Notaufnahme. Das kann lebensgefährlich sein.

Ist euer Kind schon etwas älter und offensichtlich erkältet, könnt ihr ein, zwei Tage lang Fiebersenker geben, die Lage beobachten – und wenn es nicht besser wird, aktiv werden.

Immer eure Praxis aufsuchen solltet ihr, wenn ihr unsicher seid oder sich euer Kind anders als sonst verhält. Außerdem bitte zur Ärztin oder zum Arzt gehen, wenn euer Kind gar nicht trinkt, wenn es andauernde Schmerzen hat, teilnahmslos ist, starken Durchfall hat oder sich dauernd erbricht, es schwer atmet, einen deutlichen Hautausschlag hat, wenn der Nacken steif ist, der Fiebersenker nicht wirkt und/oder der allgemeine Zustand ganz offensichtlich schlecht ist.

Wenig bringt ein Besuch in der Praxis, wenn euer Kitakind am Abend zuvor einmal 38,5 °C hatte, ihm sonst aber nichts fehlt. Dann lässt sich meist noch nichts diagnostizieren. Eine Erkältung mit den typischen Symptomen von Husten bis verstopfte Nase kann oft erst zwei, drei Tage später auftreten.

9. Welche Hausmittel helfen gegen Fieber?

Als natürlicher Fieber- und Virensenker bewährt hat sich für Kinder ab einem Jahr möglichst warmer Holunderbeersaft mit Wasser. Wenn euer Kind mag, könnt ihr ihn mit Zitrone, Honig, Zimt und Gewürznelken würzen.

10. Welche Fiebersenker eignen sich?

Helfen die Hausmittel nicht oder leidet euer Kind sehr, könnt ihr Fiebersenker geben. Am besten wirken Ibuprofen oder Paracetamol, die es als Zäpfchen und Saft gibt. Beide sind gut verträglich, wenn sie richtig dosiert werden, senken das Fieber und lindern Schmerzen. Ibuprofen hat zudem entzündungshemmende Wirkung. Es ist deshalb besser geeignet, wenn euer Kind zum Beispiel eine Mittelohr- oder Mandelentzündung hat. Erfahrungsgemäß nimmt euer Kind Ibuprofensaft auch eher, da Paracetamolsaft immer eine bittere Note hat.

Ibuprofen ist allerdings für Babys erst ab drei Monaten und einem Gewicht von mindestens sechs Kilogramm zugelassen. Neugeborene bekommen deshalb gegen Fieber Paracetamolzäpfchen verschrieben.

Keinesfalls geben solltet ihr eurem Kind bis zu einem Alter von zwölf Jahren Aspirin! Auch wenn man das in anderen Ländern Gang und Gäbe ist: In Deutschland ist es verboten. Die enthaltene Acetylsalicylsäure kann bei jüngeren Kindern in Kombination mit einem viralen Infekt das Reye-Syndrom verursachen. Das kommt zwar selten vor, kann aber dann zu lebensbedrohlichen und bleibenden Schäden an Gehirn und Leber führen.

11. Was ist bei der Dosierung zu beachten?

Achtet genau auf die Packungsbeilage, in der immer Alter und Gewicht angegeben sind. Wenn sich euer Kind an der Grenze zu einer Altersangabe befindet oder ihr wisst, dass es verhältnismäßig schwer oder relativ leicht ist: lieber am Gewicht des Kindes orientieren und nicht ausschließlich am Alter. Dazwischen solltet ihr einen Abstand von mindestens sechs Stunden einhalten. Innerhalb von 24 Stunden dürft ihr also maximal vier Mal Fiebersenker geben. Am schnellsten wirkt er 30 Minuten vor dem Essen oder eine Stunde danach, weil der Magen dann leerer ist.

Um Fehler zu vermeiden, schreibt euch am besten tags und nachts auf, wann ihr das Mittel gegeben habt. Das ist auch dann praktisch, wenn irgendwann der jeweils andere Elternteil, der Opa oder die Patentante übernimmt.

12. Was, wenn wir versehentlich zu viel Fiebermittel gegeben haben?

Ihr solltet wirklich genau sein und auch bei verschieden alten Geschwistern immer vor der Gabe auf Flasche und Mengenangabe gucken: Habe ich die Flasche mit der richtigen Wirkstoffmenge erwischt? Ist es die mit 20mg oder die mit 40mg? Im allerschlimmsten Fall kann eine Überdosis Paracetamol zu akutem Leberversagen, eine Überdosis Ibuprofen unter anderem zu Nierenversagen führen.

Passiert euch doch mal ein Fehler, erbricht sich euer Kind vielleicht erst mal oder bekommt Bauchschmerzen. Am besten ruft ihr dann den örtlichen Giftnotruf an, der auch nachts besetzt ist – und dessen Nummer ihr bei euch zu Hause immer irgendwo gut sichtbar notiert haben solltet. Sagt den Fachleuten dort, welches Medikament ihr in welcher Dosis gegeben habt, dazu wie alt und schwer euer Kind ist. Dann erfahrt ihr, was jetzt zu beachten und zu erwarten ist.

13. Können oder sollen wir Ibuprofen und Paracetamol im Wechsel geben?

Neugeborene dürfen in den ersten drei Monaten nur Paracetamol bekommen. Ist euer Kind älter, wird empfohlen, mit einem Wirkstoff zu beginnen und erst mal dabei zu bleiben. Bemerkt ihr aber, dass Fieber und Schmerzen nicht vergehen oder schneller zurück kommen als sonst, könnt ihr auch zum anderen Wirkstoff wechseln – und dann bei diesem bleiben. Weshalb diese Empfehlung gegeben wird? Gebt ihr Ibuprofen und Paracetamol ständig im Wechsel, erhöht sich die Gefahr einer Überdosierung.

Kinderärztinnen und -ärzte empfehlen trotzdem ab und zu den ständigen Wechsel, gerade wenn das Fieber hoch ist und das Kind schon nach vier, fünf Stunden wieder offensichtlich leidet. Entscheidet ihr euch für diese sogenannte alternierende Gabe von Ibuprofen und Paracetamol: Schreibt einmal mehr auf, wann euer Kind welches Medikament bekommen hat. So vermeidet ihr, versehentlich zu viel zu geben und der Gesundheit eures Kindes zu schaden.

14. Was ist besser: Saft oder Zäpfchen?

Beides beginnt nach etwa 20 bis 30 Minuten zu wirken. Der maximale Wirkspiegel ist bei beiden Medikamenten nach ein bis zwei Stunden erreicht – und hält für bis zu acht Stunden an.

Zäpfchen sind bei Babys und kleinen Kindern oft leichter zu geben als Saft, der ohne Kleckerei geschluckt werden muss. Dafür legt ihr euer Kind wie beim Fiebermessen entweder mit angewinkelten Beinen sanft auf die Seite oder hebt die Beinchen nach oben an. Wärmt das Zäpfchen kurz in der Hand und schiebt es mit der stumpfen Seite voran in den Po, dann flutscht es leichter und kommt auch weniger wahrscheinlich wieder heraus. Bitte keine Creme darauf geben: Sie kann die Wirkung verzögern oder abschwächen.

15. Was machen wir bei einem Fieberkrampf?

Ruhe bewahren! Dieser Anfall ist in der Regel total harmlos, auch wenn viele Eltern womöglich das Schlimmste befürchten. Denn: Bei einem Fieberkrampf werden Kinder für einige Sekunden bis wenige Minuten bewusstlos, verdrehen die Augen, zucken wie bei einem epileptischen Anfall, bekommen blaue Haut, werden ganz steif oder alternativ ganz schlaff. Das kann auch mitten im Spiel passieren, häufig nachmittags oder abends.

Meistens erwischt es Kleinkinder zwischen 1 und 4 Jahren. Manche davon krampfen nur einmal im Leben, andere öfter. Warum es dazu kommt? Weiß man nicht genau. Da es meist während eines steilen Fieberanstiegs passiert, geht man aber von einem Schutzreflex des Gehirns aus: Es macht wegen der vielen Viren und der schnell steigenden Temperatur die Schotten dicht. In 95 Prozent der Fälle hört der Krampf nach unter drei Minuten von selbst wieder auf, meistens dauert er keine Minute.

Sollte euer Kind zum ersten Mal einen Fieberkrampf haben, ruft ihr vermutlich den Krankenwagen. Genau so soll es sein! Schaut außerdem unbedingt auf die Uhr und bleibt bei eurem Kind: Ihr solltet wissen, wie lange der Anfall dauert. Für das medizinische Personal ist diese Information für die weitere Behandlung sehr entscheidend. Lagert euer Kind in der stabilen Seitenlagen, damit kein Erbrochenes in die Luftröhre gelangen kann, sollte es sich übergeben müssen. Dazu könnt ihr die Kleidung lockern, damit es gut atmen kann. Auch gut: Den Bereich um den Kopf mit Kissen oder Kuscheltieren polstern und die Ärmchen sanft in die Hände nehmen, damit es sich nicht selbst verletzen kann.

Keinesfalls solltet ihr eurem Kind Wasser ins Gesicht spritzen! Die Schutzreflexe funktionieren bei einem bewusstlosen Menschen nicht, das heißt: Landet ein Schwall Wasser in der Luftröhre, kann es euer Kind nicht abhusten – und erstickt womöglich. Während des Anfalls etwas zu essen oder zu trinken zu geben ist ebenfalls tabu, genau wie es zu schütteln!

Manche Ärzte oder Ärztinnen empfehlen übrigens, bei Kindern, die schon mal einen Fieberkrampf hatten, jede Temperatur ab 38,5 °C zu senken, um einen erneuten Krampf zu verhindern. Seit mehr als zwanzig Jahren weiß man aber: Das bringt nichts.

16. Dürfen fiebernde Kinder nach draußen?

Das kommt darauf an. Kinder überhitzen schnell, weil die Thermoregulation des Körpers noch nicht ganz ausgereift ist. Deshalb sollte die Temperatur über die Haut abdampfen können. Das funktioniert aber natürlich nicht, wenn euer Kind total heiß ist und es schwitz, dazu noch warm angezogen ist und im Kinderwagen unter zwei Decken liegt.

Letztlich solltet ihr also nach dem aktuellen Zustand eures Kindes entscheiden. Ist es sehr schlapp, hat es Schüttelfrost oder schläft nur? Dann bleibt einfach im Haus. Geht es eurem Kind dagegen gerade ganz gut, wirkt das Fiebermedikament oder ist die Temperatur nicht sehr hoch, könnt ihr mit ihm auch eine Rund um den Block drehen. Zieh es dabei allerdings so leicht bzw. warm an, dass es den aktuellen Wärmezustand berücksichtigt.

17. Wann dürfen wir unser Kind nach Fieber wieder in die Kita geben?

Offiziell müssen Kinder je nach Einrichtung zwischen 24 und 48 Stunden ohne Medikamente fieberfrei sein, um wieder in eine Kita gehen zu dürfen. Natürlich sollten auch andere Symptome wie starker Husten, eine dick laufende Nase oder Durchfall verschwunden sein. Das alles steht im Vertrag, den ihr Eltern unterschrieben habt und an den ihr euch auch halten müsst – selbst dann, wenn ihr keine andere Betreuungsmöglichkeit habt. Andernfalls könnte euch der Kitavertrag gekündigt werden.

Der Grund ist unter anderem, dass euer Kind ansteckend sein kann und andere Familien – darunter auch das Team, in dem oft selbst Eltern sind – vor genau euer eigenes Problem stellen. Dazu tut es natürlich auch eurem Kind nicht gut, wenn es noch halb krank wieder in der Kita geht: Es kann sich nicht ausreichend erholen – und fängt sich wahrscheinlicher einen neuen Infekt ein.

Podcast:

Darüber hinaus findet ihr in Folge "#14 Fieber: Und jetzt? 17 Antworten rund ums Thema Fieber bei Kindern." unseres Podcasts weitere Infos rund ums Thema Fieber

JETZT AUCH ALS APP

Kinderarzt-Wissen in der Hosentasche

Über 500 Beiträge, ein wöchentlicher NewsFeed und praktische Tracker für Fieber, Wachstum und Medikamente – entwickelt von Kinderarzt Dr. med. Vitor Gatinho.

  • Fieberkurve & Medi-Tracker
  • Wachstums-Tracker
  • 500+ Beiträge
  • Bis zu 3 Kinder

4,9★ App-Bewertung · 200.000+ Downloads

Kids Doc App Fieberkurve & Medikamenten-Tracker
Kids Doc App Wachstums-Tracker mit Größen- und Gewichtskurve
Kids Doc App Stillzeiten-Tracker mit Start-Timer links und rechts
Fieberkurve & Medi-Tracker