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Hobbys: Wie viele sind okay?

Hobbys: Wie viele sind okay?

Niemand möchte als perfektionistische Eislaufmutti oder aufbrausender Fußballpapa gelten. Und doch kann es gut sein, dass auch ihr euren Ehrgeiz nicht so recht loswerdet. Das Kind zu fördern gehört schließlich zur Stellenbeschreibung von Müttern und Vätern! Wie viele Hobbys also sind okay?

Zwischen Kinderturnen und Chinesisch

Ihr kennt das vielleicht: Wenn eine Freundin erzählt, dass ihr Sohn zwei Mal die Woche zum Hockey geht oder die Nachbarin ein Video vom virtuosen Klavierspiel ihre Tochter schickt, werdet ihr trotz aller Besonnenheit doch ein wenig unruhig: „Und wir? Fördern wir unser Kind genug?“ 

Überspitzt formuliert schicken moderne Eltern ihre Sprösslinge dienstags zum Chinesisch-Kurs, mittwochs zum Cello-Unterricht, donnerstags zum Contemporary Dance und freitags zum Programmier-Workshop. Das Motto: Bloß nicht die Zukunftschancen verbauen! Dabei sollte uns eigentlich klar sein: Das Gras wächst nicht schneller, länger oder besser, wenn man daran zieht. Trotzdem sind Hobbys ein Reizthema. Zumindest ab dem Zeitpunkt, an dem die Kinder aus dem Kinderturnen herausgewachsen sind.

Warum Hobbys toll sind

Turnen, Geige, Zeichnen, Schwimmen: Hobbys sind eine prima Sache. Erinnert euch nur mal daran, wann ihr zum letzten Mal bei einer Tätigkeit so richtig in den Flow gekommen sind. Das war wahrscheinlich nicht beim Beantworten einer E-Mail oder Spülmaschine ausräumen. Sondern – genau! – beim Ausüben eines Hobbys. 

Fernab von Bewertung und Benotung etwas ausprobieren zu können, kann für euer Kind eine wundervolle Erfahrung sein. Wenn es eine Lebenswelt jenseits der Schule gibt, hat das aber noch mindestens einen weiteren Vorteil: Läuft es dort etwa zwischenmenschlich mal nicht so rund, gibt es noch andere Freundschaften, andere Themen, eine andere soziale Zugehörigkeit. Dann ein Hobby zu haben ist der Knaller.

Was gegen Hobbys spricht

Kinder entwickeln Soft Skills, also Problemlöse- und Teamfähigkeit, Kreativität sowie Empathie, wenn sie sich frei beschäftigen können, etwas aus sich selbst heraus entwickeln oder mit anderen Kindern spielen. Schön und gut. Aber was ist mit den Fähigkeiten, die euer Sprössling beim Fechten oder Flöten erlernt?

Die Krux ist, dass diese Skills extern beigebracht werden, in der Regel von einem Erwachsenen. Außerdem muss euer Kind zu einer bestimmten Zeit irgendwo auftauchen, sich umziehen, einem von außen festgelegten Rahmen folgen, auf Anweisungen hören. Schon wieder ist Kooperation gefragt, wie in der Schule! 

Kurzum: Ist der Alltag mit vielen strukturierten Aktivitäten vollgestopft, ist das eher kontraproduktiv, weil euer Kind auch Freiraum braucht, um die oben genannten Soft Skills zu entwickeln.

Ab wann ist es zu viel?

Je nach Bundesland haben Schulkinder unterschiedlich oft Hausaufgaben auf. Manche müssen jeden Nachmittag ran, andere gesammelt freitags alle Aufgaben abgeben. Vielleicht ist euer Kind bis 16 Uhr im Hort oder stehen schon um 13.05 Uhr zu Hause auf der Matte. In manchen Familien ist nachmittags ein Elternteil am Start, das zu den Hobbys begleiten kann. In anderen ist das wegen kleinerer Geschwister, weiter Wege oder anderen Gründe nicht möglich. 

Ihr seht: Jede Familie ist individuell organisiert. Deshalb sollte ihr genauso individuell schauen, wie viele und welche Hobbys in eurem persönlichen Alltag realistisch sind – und ab welchem Punkt es anfängt, stressig zu werden. Fachleute sagen, dass zwei bis drei Hobbys in der Woche angemessen sind. Es ist aber genauso toll, wenn euer Kind nachmittags auf dem Spielplatz tobt oder zu Hause mit Freunden und Freundinnen spielt.

Ganz wichtig: Auch Langeweile muss sein! „Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen“, wusste schließlich schon die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren.

Vorsicht mit Erwartungsdruck!

Klar kann man sich über Fußballväter lustig machen, die Samstagmorgens auf dem Platz den Bambinis hinterherschreien und dem Schiri böse Blicke zuwerfen. Aber: So lustig ist das eigentlich nicht. Kinder spüren sehr genau, wenn sie den Erwartungen ihrer Eltern nicht genügen. Ein doofes Gefühl! Deshalb ist es wichtig, auf euer Kind zu schauen. In Wahrheit bleibt euch ohnehin nichts anders übrig. Will es wirklich zum Judo oder zu Gitarre? Oder müsst ihr es überreden hinzugehen? 

Druck ausüben – „Die Ausrüstung war teuer, das ziehst du jetzt bitteschön ein Jahr durch“ – ist jedenfalls keine Option. Gerade die Grundschulzeit ist dafür da, sich auszuprobieren. Deshalb ist es völlig normal, wenn euer Kind immer mal wieder seine Hobbys wechselt. Irgendwas verfängt schon. Dann macht es erst richtig Spaß, vielleicht sogar ein Leben lang.

Das Fazit

Auch wenn die Warteliste für den Fußballverein lang ist und es gar nicht so leicht ist, einen Platz in der hippen Musikschule zu ergattern: Die wichtigste Aufgabe für euch besteht nicht darin, euer Kind irgendwo unterzubringen. Sondern sich von dem Gedanken freizumachen, Woche für Woche Potential zu verschenken, weil ihr nachmittags Eis essen geht oder beim Bäcker ein Brötchen holt, das ihr auf dem Weg zum Spielplatz mümmelt. 

Rechts und links scheinen sich andere Mütter und Väter darin übertrumpfen zu wollen, ihren Kindern großartige Hobbys zu ermöglichen. Aber erstens muss man sich die erst mal leisten können. Und zweites macht ihr weit mehr richtig, wenn das Stresslevel in der Familie niedrig bleibt. Bleibt also bei euch und den Bedürfnissen eures Kindes.

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