Lange war es ein großes Thema, welche Hand ein Kind bevorzugt. Vielleicht kennt ihr noch die Annahme, dass es eine „gute“ und eine „schlechte“ Hand gibt? Generationen von linkshändigen Kindern wurden „umgeschult“ – und das mit sehr viel Druck. Noch bis in die 1980er Jahre war das üblich, dachte man doch, dem Nachwuchs damit den Alltag zu erleichtern.
Falsch gedacht. Denn inzwischen weiß man, dass eine solche Umschulung massive Probleme verursachen kann:
- Konzentrations-, Gedächtnis und Sprachstörungen
- Schreib- und Leseprobleme
- Beeinträchtigung der Feinmotorik
- geringes Selbstwertgefühl
- Unsicherheit
- Schulabbruch
- Stress
Grund dafür ist der massive Eingriff ins Gehirn. Kindern zwanghaft die Rechtshändigkeit anzutrainieren, gilt deshalb heute in Deutschland als Körperverletzung.
Ob euer Kind lieber mit links oder rechts hantiert, ist für seine Zukunft ziemlich egal – und auch nicht zu ändern. Immerhin sind heute fast alle Alltagsgegenstände wie Scheren, Dosenöffner, Messer oder Stifte auch für linkshändige Personen erhältlich. Dass einige Dinge im Alltag ein wenig schwieriger sind – Lichtschalter und Türgriffe etwa sind meist so angebracht, dass sie für rechtshändige Menschen gut zu erreichen sind –, daran gewöhnt sich euer Kind sicherlich schnell.
Etwa jedes zehnte Kind bevorzugt die linke Seite. Greift euer Kind schon jetzt lieber mit einer bestimmten Hand? Idealerweise bietet ihr Spielzeug oder einen Löffel immer so an, dass es die freie Wahl hat, also über die Mitte. Welche Seite es bevorzugt, ist mit einer recht hohen wahrscheinlich schon festgelegt: Zu 25 Prozent entscheiden es die Gene, die restlichen 75 Prozent sind eine Mischung aus den Hormonen im Mutterleib (Testosteron führt möglicherweise öfter zur Linkshändigkeit), dem Geburtsgewicht (je niedriger, desto eher tendieren Kinder zur linken Seite), dem Geschlecht (es gibt zwei Prozent mehr männliche Linkshänder) und soziale Faktoren wie Schule, Familie und Kultur.
