Hier wird Kids.Doc Vitor persönlich – weil es um das Leben eurer Kinder geht. Passt am Wasser auf sie auf, in jedem Augenblick. Nichts ist wichtiger!
"Wenn ein Kind ertrinkt, ist immer ein Erwachsener daran schuld. Dieser Satz stammt von dem bekannten Rechtsmediziner Michael Tsokos. Das heißt: Es ist extrem selten, dass ein Kind wegen einer Erkrankung oder einem Unfall im Wasser stirbt. Fast immer ertrinken Kinder, weil niemand auf sie aufgepasst, sie beaufsichtigt hat.
Mit der Aufsichtsperson meine ich nicht den Bademeister im Schwimmbad oder die DLRG-Rettungsschwimmer am Strand, sondern uns, die Eltern (oder andere Erwachsene, denen wir unsere Kinder persönlich anvertraut haben). Wir Eltern sind verantwortlich dafür, dass sie nicht in Gefahr geraten. Bademeister und DLRG helfen und retten im Notfall. Aber sie können nicht 300 oder 1000 Kinder gleichzeitig babysitten und dafür sorgen, dass nichts passiert.
Ich habe schon gelesen, dass ein achtjähriger Junge von der DLRG aus der Ostsee gerettet werden musste. Er hatte allein am Strand und im Wasser gespielt. Die Eltern waren im Hotel! Ein Sechsjähriger ist in einem Hotelpool auf Mallorca ertrunken. Der Vater war für ein paar Minuten aus dem Wasser gegangen und hat den Jungen allein zurückgelassen. Ein furchtbares Unglück. Und es wäre leicht vermeidbar gewesen.
Faustregel: Nur so sind Kinder sicher
Auch wir Erwachsenen unterschätzen die Gefahr sehr leicht. Wir müssen Respekt vor dem Element Wasser haben – am Meer, am See, am Fluss, im Freibad und im Pool. Kinder können sogar in einer Pfütze ertrinken. Das müsst ihr euch mal vorstellen! Egal, ob das Wasser also bis zum Knie reicht oder nur bis zum Knöchel: Es ist immer eine Gefahr.
Wir können das verhindern, indem wir uns an nur eine Regel halten: Immer die Augen am Kind und nie weiter als eine Armlänge entfernt, wenn es noch nicht sicher schwimmt. Wirklich immer! Auch wenn das Kind Schwimmflügel trägt oder schon das Seepferdchen-Abzeichen hat. Damit allein ist es im Wasser noch nicht sicher!
Am Meer, Fluss, See: Niemals allein
Als mein Sohn sieben war, hatte er das Bronzeabzeichen, er konnte top schwimmen. Aber nie im Leben hätte ich ihn da schon allein im Meer, im Fluss oder im See schwimmen lassen. Er ging immer mit mir an der Hand ins Wasser!
Die ganz seltene Ausnahme: wenn das Wasser wirklich sehr, sehr, sehr flach und ganz ruhig ist. Sobald die Wellen höher als der Bauchnabel sind, musste mein Junge auch in diesem Alter noch an die Hand – obwohl er schwimmen konnte.
In Deutschland sind 2024 bis Ende Juli schon 253 Menschen ertrunken, zwei Drittel davon in unbewachten Flüssen oder Seen. Strömungen sind unberechenbar, auch Erwachsene können ertrinken, wenn sie davon erfasst werden.
Warum ich nicht mehr ins Freibad gehe
Vor ein paar Jahren war ich das letzte Mal im Freibad. Damals stand ich manchmal mit meinen Kindern im Kleinkinder-Becken. Sie hatten ihr Seepferdchen, trotzdem hatte ich sie die ganze Zeit im Blick.
Nur: An manchen Tagen musste ich alle zehn Minuten andere Kinder aus dem knietiefen Wasser retten, zum Beispiel ein Kleinkind, das in einem Schwimmreifen lag und nach vorne übergekippt ist und nicht mehr rauskam. Brandgefährlich! Die Eltern hatten es gar nicht mitgekriegt.
Es passiert ständig: Die Eltern haben sich gerade weggedreht, quatschen mit einer Freundin, gucken aufs Handy oder telefonieren. Oder sie sind nicht einmal in der Nähe!
Weg mit dem Handy, wenn ihr mit Kindern am Wasser seid
In Hamburg werden Eltern inzwischen des Schwimmbads verwiesen, wenn die Bademeister sie am Smartphone erwischen, während ihre Kinder im Wasser sind. Gut so! Auch die DLRG spricht davon, wie viele Eltern vom Handy ablenken lassen und ihre Aufsichtspflicht vernachlässigen.
Wenn wir als Familie heute schwimmen gehen, dann ins Hallenbad. Aber mit drei Kindern gehe ich nicht allein, weil ich nicht alle jederzeit im Blick haben kann. Mit zwei Kindern – das traue ich mir zu, vor allem mit den beiden, die schon schwimmen können. Mit allen dreien – das machen wir nur, wenn wir als Eltern zu zweit aufpassen können oder Freunde dabei sind.
Trügerische Sicherheit: Schwimmflügel
Schwimmflügel sind keine verlässliche Schwimmhilfe. Sie können leicht von den Armen rutschen, wenn das Kind ins Wasser springt (außer man hat sie extrem eng angelegt). Zertifizierte Westen sind schon etwas besser, aber auch sie schützen nicht vor dem Ertrinken.
Da ist aber noch was: Eine Bademeisterin hat mir erzählt, dass die meisten Unfälle mit Kleinkindern im Schwimmbad passieren, wenn die Familie schon fast auf dem Nachhauseweg ist. Warum? Vorher ist das Kind mit Schwimmflügeln stundenlang ins Wasser gesprungen, und die Mutter hat die ganze Zeit super aufgepasst. Jetzt sind die Schwimmflügel ab, das Kind ist wieder angezogen, alle sind auf dem Weg zur Umkleide. Aber das Kind huscht weg, weil es noch einmal ins Wasser will.
Vorher hatte es gemerkt: Wenn ich reinspringe, komme ich schon wieder hoch. Aber jetzt hat es keine Schwimmflügel mehr um. Dass es ohne die Schwimmhilfe keinen Auftrieb mehr hat, versteht das Kind nicht.
Deshalb euer Reminder: Die Gefahr ist erst vorbei, wenn ihr wirklich aus dem Schwimmbar raus sein.
„Seepferdchen ist die Erlaubnis zu ertrinken“
Das sagte ein Bademeister einmal zu mir. Er meinte: Nach dem Seepferdchen-Kurs glauben die Eltern, das Kind kann ja jetzt schwimmen, nun kann ich es im Wasser schon mal allein lassen. Das seien die Kinder, die am häufigsten ertrinken, sagte dieser Bademeister. Nicht die Kleineren, sondern die Seepferdchen-Kinder.
Sie können oft richtig gut tauchen, sich aber an der Wasseroberfläche nicht halten. Dann gehen sie einfach unter!
Macht euch also unbedingt klar: Mit Seepferdchen kann euer Kind nicht schwimmen! Für Bronze muss es eine Viertelstunde am Stück schwimmen, ohne abzusetzen. Das ist schon etwas anderes.
Kinder müssen schwimmen lernen. Aber solange sie es nicht können, dürfen wir sie im Wasser nicht aus den Augen lassen.
Farbe der Badehose? Zweitrangig
Über das Thema „Bunte Badeklamotten“ gibt es jede Menge Videos und Posts, auch auf meinem Instagram-Account. Neonfarbene Badesachen – ja, kann man machen, vielleicht erkennt ihr das Kind so in der Freibad-Menge etwas schneller als in marineblau.
Aber eine bunte Badehose macht das Wasser für Kinder nicht sicherer. Da hilft nur eins: Wir müssen auf unsere Kinder aufpassen! Bei Nichtschwimmern gilt grundsätzlich: nicht mehr als eine Armlänge entfernt. Und die Augen immer am Kind. Immer! Bitte denkt daran: Es geht um das Leben eurer Kinder."
