Verhalten & Psychologie 3 Min. Lesezeit

Selbstbestimmt einschlafen?

Selbstbestimmt einschlafen?

Nix Sandmann: Das Kind ist viel zu lange wach! Und jetzt? Immer häufiger ist zu lesen – etwa in der „Unerzogen“-Bewegung –, dass vierjährige Kinder sehr gut selbstbestimmt einschlafen könnten. Was damit gemeint ist? Ein Kind wird zunächst von den Eltern bettfertig gemacht und ist dann in seinem Zimmer, darf leise spielen, bis es merkt, dass es müde wird. Dann geht es allein ins Bett und knipst das Licht aus. Oder es bleibt bei den Großen, bis es selbst entscheidet, dass nun Schlafenszeit ist.

Für manche Eltern klingt das erst mal praktisch: Juchhu, nie wieder nervenaufreibende Einschlafbegleitung! Allerdings wollen und können die wenigsten Kinder so autonom einschlafen. Wenn euer Kind etwa den ganzen Tag über wild getobt hat, fällt es ihm womöglich schwer, ohne eure Begleitung runterzukommen. Viele Kinder brauchen auch abends besonders viel Nähe: Draußen wird es dunkel, die Nacht naht, in der ja Monster unter dem Bett lauern könnten … Und auch, wenn es eurem Kind nicht bewusst ist: Im Schlaf sind wir so verletzlich und ungeschützt wie zu keiner anderen Zeit. Um sich in diesen unkontrollierbaren Zustand begeben zu wollen und zu können, brauchen Kinder Vertrauen – das meist nur die Eltern schenken können. 

Die meisten Vierjährige brauchen also beim Einschlafen viel Sicherheit. Sie lernen noch, wie das mit der Entspannung und dem sich Fallenlassen geht. Das braucht Zeit! Begleitet also eure Kind beim Einschlafen, wenn es das offensichtlich nicht alleine schafft. Egal, ob im Kinder- oder im Familienbett. Nachtlicht und Plüschtier geben zusätzlich Sicherheit. Vielleicht sagt euer Kind dann irgendwann von sich aus, dass ihr nicht mehr bleiben müsst, bis es ganz eingeschlafen ist. 

Falls nicht, könnt ihr – wenn ihr wollt – nach und nach versuchen, euch sehr langsam und in kleinen Schritten aus der Schlafbegleitung zurückzuziehen: Rückt erst nur ein Stück ab. Setzt euch am nächsten oder übernächsten Tag ans andere Ende des Bettes. Beantwortet im nächsten Schritt noch auf dem Sessel oder einem anderen kuscheligen Ort im Zimmer Nachrichten, lest im E-Reader oder hört einen Podcast. Versucht ruhig, die Begleitung für euch so angenehm wie möglich zu machen, damit auch lange Abende nicht zu sehr an den Nerven zehren. Signalisiert eurem Kind dabei, dass es noch recht jung ist und deshalb mehr Schlaf braucht als ihr Erwachsenen – aber ihr gern bei ihm bleibt, bis es schläft. Manche Kinder brauchen diese Nähe noch mit sieben oder acht Jahren. Anderen reicht es, wenn ihr irgendwann hörbar in der Küche kruschtelt und alle paar Minuten nachseht, ob immer noch alles okay ist. Irgendwann könnt ihr dann einfach liebevoll „Gute Nacht!“ sagen und gehen. Die Tür bleibt natürlich, wenn gewünscht, angelehnt.

Zusätzlich hilft es eurem Kind, wenn ihr ihm tagsüber bewusst immer wieder dabei helft, sich zu entspannen, etwa mit gemeinsamen Lese- oder Massagezeiten, mit Hörspielen oder beim Puzzeln. Der Körper lernt dadurch herunterzufahren und Energie zu tanken, so dass er irgendwann auch abends alleine in diesen Modus kommt. Für die Bettzeit kann es außerdem hilfreich sein, mögliche Reize zu verringern: Ein Nachtlicht reicht aus, ein Raumteiler oder ein Betthimmel können Spielzeug aus dem Blickfeld nehmen.

Eventuell ist euer Schatz aber nicht nur tagsüber sehr mutig, sondern auch abends und nachts schon früh selbstständig und sicher. Dann reicht ihm zum Beispiel ein Gute-Nacht-Ritual mit Vorlesen und Kuscheln, um alleine in den Schlaf zu finden. Auch völlig okay! Jeder Mensch schläft anders ein. Nur die Schlafenszeit, die solltet ihr Eltern bestimmen. Denn ein Gefühl, wieviel Schlaf es braucht, hat euer 50 Monate alter Knirps eher noch nicht.

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