Manchmal ist alles zum Heulen. So Eltern es sich wünschen, dass es ihrem Kind immer gut geht, es gibt keine Kindheit ohne Kummer. Manchmal ist der Schmerz groß, weil es einfach etwas weh tut. Manchmal ist das Kinderunglück größer und die Gefühle heftiger. Schmerz, Angst, Kummer und Trauer - das sind große negative Gefühle. In der Kinderarztpraxis erlebe ich manchmal, dass es den Eltern selbst extrem schwer fällt, in so einer Situation ihr Kind zu begleiten. Einige leiden fast mehr am Schmerz ihres Kindes, als das Kind selbst. Andere begleiten mit Worten wie: “Das ist nur ein kleiner Pieks, das tut nicht weh …” - damit wird die Wahrnehmung des Kindes in Frage gestellt. Denn ja, manchmal tut es wirklich weh. In genau solchen Momenten brauchen Kinder Bezugspersonen, die für sie da sind, sie einfühlsam und liebevoll begleiten. Wenn Kinder Kummer, Schmerz oder Angst verspüren, dann ist es oft schwierig für sie, damit alleine fertig zu werden. Denn negative Gefühle verursachen auch bei kleinen Menschen, dass der Körper in den Alarmmodus schaltet. Herzrasen, steigende Stresshormone – das volle Programm. In solchen Momenten brauchen wir einander, brauchen angemessenen Trost.
Die Kraft des Trostes
Forscher aus der Psychologie und der Pädiatrie haben hier einen wichtigen Einblick geliefert. Denn wenn unser Stresssystem auf Hochtouren läuft und unser Körper ständig in Anspannung ist, dann werden viele Stresshormone ausgeschüttet. Ängste können sich verstärken, der Körper wird belastet und anfälliger für Krankheiten. Was passiert, wenn Trost ausbleibt? Wenn ein Kind sich nicht geborgen und verstanden fühlt, wenn es seine Ängste und Sorgen nicht mitteilen kann? Die Auswirkungen können gravierend sein. Kinder, die ohne angemessenen Trost aufwachsen, könnten Schwierigkeiten haben, Emotionen zu regulieren. Dies kann sich langfristig auf ihre psychische und physische Gesundheit auswirken.
Die vielen Gesichter des Trostes:
Von Körperkontakt bis zur magischen Energie: Kummer zeigt sich nicht immer in Form von dicken Kullertränen. Ein Kind, das beißt, kratzt oder sich auf dem Boden wälzt, signalisiert oft, dass es Schwierigkeiten hat, sich selbst zu regulieren. In solchen Momenten sind feinfühlige Erwachsene gefragt, die erkennen, dass eine liebevolle Antwort gefunden werden muss. Babys und Kinder brauchen uns, um sie zu trösten und mit ihnen zu fühlen. Ironie, Auslachen oder Sprüche wie “Stell dich nicht so an” stärken Kummer und lassen Kinder sehr allein mit ihren mächtigen Gefühlen, die sie oft noch gar nicht allein bewältigen können. Für dein Kind ist es elementar wichtig, dass du seine Sorgen, seine Ängste und seinen Kummer wahrnimmst. Dein Kleines fürchtet sich vor Blitz und Donner? Dann kann es helfen, wenn du mit einem Bilderbuch über das Naturphänomen Gewitter genau erklärst, was da oben im Himmel passiert. In anderen Situationen hilft vielleicht keine rationale Erklärung, sondern einfach, dass du dein Kind auf den Schoß nimmst. Welche Art von Trost gerade passt, hängt immer von der Situation und dem Kind ab.
Manche kleine Wirbelwinde lieben viel körperliche Nähe, möchten umarmt werden oder auch ein Streicheln der Wange gibt Trost. Andere mögen vor allem gern die Stimme der Eltern hören und bevorzugen ein Trostlied oder einfach Zuspruch mit Worten. Oft helfen auch Rituale, das kann eine Tasse Kakao sein, immer wenn es kalt und ungemütlich ist, eine gemeinsame Kuschelrunde oder auch ein Lieblingsbuch bei einer Vorleserunde. Vielen Kindern hilft auch ein so genanntes Übergangsobjekt. Klingt komisch? Damit sind heißgeliebte Gegenstände gemeint, wie Kuscheltiere, T-Shirt, die nach Mama oder Papa duften oder das Schmusetuch. Sie sind ein Stück Geborgenheit, auf die das Kind auch selbst zurückgreifen kann, wenn Ihr als Bezugspersonen nicht anwesend seid.
Die Zukunft des Trostes: Von Kindheit bis Erwachsensein
Eure Trostrituale begleiten dein Kind bis ins Erwachsenenalter. Denn später wird es lernen, seine Gefühle selbst zu regulieren. Sport, Musik, Entspannungstechniken – all das kann ihm dabei helfen, kleine Inseln der Ruhe zu schaffen. Doch gerade, wenn es ihm später wirklich mies geht, wird es sich an die Trostrituale aus seiner Kindheit erinnern. Ein kuscheliges Handtuch nach einem entspannenden Bad, eine Schale warmen Vanillepudding – das sind die Pflaster fürs Herz.
Als Eltern seid ihr jetzt gefragt und schafft die symbolische Trostpflaster, die eure Kinder später als Erwachsene selbst anwenden können.
So schwer es auch ist, dass euer Kind Kummer hat - in dem es Trost erfährt und auch lernt, dass es diese mächtigen negativen Gefühle bewältigt hat, habt ihr ihm wertvolles Rüstzeug an die Hand gegeben. Zeigt eurem Kind, wie es seine Bedürfnisse benennen kann und so auch um Hilfe bitten kann, wenn es sie braucht. Eltern möchten Unheil fernhalten, aber leider gehört auch Leid zum Leben. Unsere Aufgabe als Eltern ist es, unsere Kinder liebevoll zu begleiten, vorzubereiten und ihnen Rüstzeug mitzugeben, mit denen es lernt, seine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und Wege zu finden, auch Trost bei Kummer zu finden.
