Notruf 112: Wann und wie?
Die 112 gilt in ganz Deutschland, der Anruf ist kostenlos und auch vom Handy möglich. Wähle sie, sobald dein Kind schwer krank oder verletzt wirkt oder du unsicher bist. Die Leitstelle unterstützt dich bei der Rettung und, wenn nötig, bei der Wiederbelebung am Telefon.
Das gehört in den Notruf, die sogenannten fünf W:
- Wo ist der Notfall (Adresse, Stockwerk, Orientierungspunkt)?
- Was ist passiert?
- Wie viele Betroffene gibt es? Bei Kindern nennst du unbedingt das Alter.
- Welche Verletzung oder Beschwerden liegen vor?
- Warten auf Rückfragen: Beende das Gespräch erst, wenn die Leitstelle es sagt.
Bei diesen Zeichen empfehlen die Leitlinien 2025, sofort medizinische Hilfe oder den Rettungsdienst zu holen:
| Bereich | Auffälligkeiten |
|---|---|
| Verhalten | Nicht bei vollem Bewusstsein oder schwer weckbar, schlaff oder steif, Krampfanfall, verwirrt oder unruhig, untröstliches Weinen, Arme oder Beine lassen sich nicht bewegen, starke Schmerzen oder Gehen und Sprechen plötzlich nicht mehr möglich |
| Atmung | Atembeschwerden mit Grunzen, Nasenflügeln oder Einziehungen am Brustkorb, zusätzliche Atemgeräusche, zu schnelle, zu langsame oder unregelmäßige Atmung, Atemaussetzer, ungewöhnliche Körperhaltung zur Atemerleichterung |
| Körperfarbe | Blau, fleckig, ungewöhnlich blass oder gräulich. Bei dunklerer Haut achte auf Handflächen, Fußsohlen und Schleimhäute |
Die Leitlinien nennen drei Grundprinzipien für alle Helfenden: Prüfe, ob die Umgebung sicher ist, wähle schnell den Notruf und nutze nur Ausrüstung und Mittel, in deren Gebrauch du geschult bist.
Wiederbelebung bei Kindern und Säuglingen
Ist dein Kind nicht ansprechbar und atmet nicht normal, wähle die 112 und beginne sofort mit der Wiederbelebung. Im Zweifel, ob die Atmung normal ist, handelst du so, als wäre sie es nicht. Das ist die zentrale Aussage der Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) von 2025, die seit Oktober 2025 gelten.
- Reaktion prüfen: Sprich dein Kind laut an und berühre es an der Schulter. Reagiert es nicht, rufst du Hilfe.
- Notruf absetzen: Der Notruf soll abgesetzt werden, sobald der Kreislaufstillstand erkannt ist, noch vor den Beatmungen. Nutze das Handy mit Freisprechfunktion, möglichst mit Video, und folge den Anweisungen der Leitstelle.
- Ohne Ausbildung: Hast du keine Ausbildung in Kinder-Basismaßnahmen, folgst du den Anweisungen der Leitstelle und beginnst mit der Herzdruckmassage.
- Mit Beatmung: Beatmest du, beginnst du mit fünf Beatmungen und wechselst danach zwischen Herzdruckmassage und Beatmung. Das Verhältnis ist 30 Herzdrückungen zu 2 Beatmungen, mit Ausbildung in Kinder-Basismaßnahmen 15 zu 2.
- Technik: Bei Säuglingen umfasst du den Brustkorb und drückst mit beiden Daumen (Zwei-Daumen-Technik). Bei Kindern über 1 Jahr drückst du mit einer oder zwei Händen. Druckpunkt ist die untere Hälfte des Brustbeins, Tempo 100 bis 120 pro Minute, mindestens ein Drittel der Brustkorbtiefe, in keinem Alter tiefer als 6 cm.
- Defibrillator (AED): Ist eine zweite Person da, holt sie den AED, auch für Kinder jedes Alters. Unter 25 kg Körpergewicht (etwa 8 Jahre) nutzt du den Kindermodus, sonst den Erwachsenenmodus. Bist du allein, haben Notruf und der Beginn der Wiederbelebung Vorrang.
Wenn du dich nicht traust zu beatmen
Die Leitstelle soll dich dann ermutigen, wenigstens zu drücken. Herzdruckmassage mit Beatmung bleibt beim Kind der Standard, weil sie in allen Altersgruppen mit besseren neurologischen Ergebnissen verbunden ist. Wer nichts tut, hilft dem Kind am wenigsten: Bei der Laienreanimation ist Nichtstun der einzige wirklich große Fehler.
Bist du allein und ohne Mobiltelefon, machst du eine Minute lang Wiederbelebung, bevor du Hilfe holst.
Zahlen zur Wiederbelebung
- Die Laienreanimationsquote in Deutschland stieg von 14 % im Jahr 2010 auf 55,4 % im Jahr 2024. In Norwegen, den Niederlanden und Schweden liegt sie bei etwa 70 bis 80 %.
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren machen nur etwa 1,2 bis 1,4 % der vom Rettungsdienst außerhalb der Klinik wiederbelebten Patienten aus.
- Im Deutschen Reanimationsregister waren von 1.740 Kindern mit Kreislaufstillstand und begonnener Wiederbelebung (2007 bis 2021) 42 % jünger als ein Jahr. Bei 56 % begannen Laien mit der Wiederbelebung, 68,2 % der Fälle ereigneten sich zu Hause. Häufigste vermutete Ursachen waren Sauerstoffmangel (31,0 %), plötzlicher Kindstod (12,1 %), Verletzungen (11,1 %) und Ertrinken (8 %).
Dieser Überblick ersetzt keinen Kurs: Wiederbelebung lernst du am besten praktisch, am Übungsmodell und mit Anleitung.
Kind verschluckt sich: Was tun?
Kann dein Kind nach dem Verschlucken nicht sprechen oder (bei Säuglingen und Kleinkindern) nicht laut weinen, ruf den Rettungsdienst und beginne mit Rückenschlägen. Das gilt besonders beim Füttern, Essen oder wenn dein Kind unbeaufsichtigt spielt. So sehen die Leitlinien 2025 den Ablauf vor:
- Wirksam husten: Hustet dein Kind kräftig, ermutige es weiterzuhusten und beobachte, ob es schlechter wird.
- Husten klappt nicht mehr: Gib bis zu fünf Rückenschläge. Den Säugling legst du bäuchlings auf deinen Unterarm, der Kopf liegt tiefer als der Brustkorb. Größere Kinder beugst du nach vorn.
- Hilft das nicht: Bis zu fünf Stöße. Beim Säugling sind das Brustkorbkompressionen mit zwei Daumen in Rückenlage. Bei Kindern und Jugendlichen sind es Bauchstöße: Die Faust liegt zwischen Nabel und Brustbeinende, du drückst kräftig nach innen und oben.
- Im Wechsel weitermachen, solange dein Kind bei Bewusstsein ist, und sofort aufhören, wenn es wieder hustet, laut atmet oder weint.
- Wird dein Kind bewusstlos: Sofort mit der Wiederbelebung beginnen, zuerst mit fünf Beatmungen.
Nicht blind im Mund suchen
Greife nicht blind mit dem Finger in den Mund. Nur deutlich sichtbare Fremdkörper entfernst du mit einem einzigen Wischen. Zu beworbenen Absauggeräten geben die Leitlinien wegen fehlender verlässlicher Belege weder eine Empfehlung noch eine Ablehnung.
Knopfzellen und Magnete
Bei Verdacht auf eine verschluckte Knopfzelle fahre sofort in eine Kinderklinik oder Notaufnahme, auch wenn dein Kind beschwerdefrei wirkt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass schon nach etwa zwei Stunden Schleimhautkontakt tiefe Verätzungen in der Speiseröhre entstehen können und erste Beschwerden oft erst nach Stunden auftreten. Bei Verdacht auf Knopfzelle rät die Kommission des BfR zur sofortigen Röntgenuntersuchung in einer Kinderklinik und zum Rettungswagen. Auch bei verschluckten Magneten solltest du Rettungsdienst oder Notaufnahme nutzen: Mehrere Magnete oder ein Magnet mit Metallteil können sich im Darm anziehen und die Darmwand durchlöchern. Eine Statistik dazu gibt es in Deutschland nicht.
Zahlen zu Fremdkörpern
- 2024 wurden 2.092 Kinder unter 15 Jahren mit einem Fremdkörper im Verdauungstrakt stationär behandelt, davon 799 mit dem Fremdkörper in der Speiseröhre und 585 im Magen.
- 1.391 Kinder hatten einen Fremdkörper in den Atemwegen, bei 456 davon in Kehlkopf, Luftröhre oder Bronchus.
- 2025 starben 20 Kinder unter 15 Jahren mit der Todesursachen-Angabe Fremdkörper in den Atemwegen, davon 7 unter einem Jahr.
Vergiftung: Giftnotruf und erste Schritte
Bei Verdacht auf eine Vergiftung rufst du das Giftinformationszentrum an und führst erste Maßnahmen nur nach dessen Anweisung durch. Ist dein Kind bewusstlos, wählst du sofort die 112. Es gibt sieben Giftinformationszentren in Deutschland. Das Zentrum Nord in Göttingen ist zum Beispiel täglich rund um die Uhr erreichbar. Erreichst du eine Zentrale nicht, wählst du eine andere.
| Giftinformationszentrum | Telefon |
|---|---|
| Berlin | 030 19240 |
| Bonn | 0228 19240 |
| Erfurt | 0361 730730 |
| Freiburg | 0761 19240 |
| Göttingen | 0551 19240 |
| Mainz | 06131 19240 |
| München | 089 19240 |
Die Liste entspricht dem Stand des Bundesinstituts für Risikobewertung vom 22.07.2026. Speichere dir am besten schon jetzt eine der Nummern im Handy.
Halte für den Anruf diese Angaben bereit: Alter, Geschlecht und ungefähres Gewicht deines Kindes. Was wurde aufgenommen, wann, auf welchem Weg und wie viel? Wie geht es deinem Kind, wo ist es passiert, und was hast du schon getan?
Das solltest du nicht tun
Versuche nicht, dein Kind zum Erbrechen zu bringen. Gib keine Milch, sie beschleunigt in vielen Fällen die Giftaufnahme über den Darm. Flöße einem bewusstlosen Kind nie Flüssigkeit ein.
Nur nach Rücksprache mit dem Giftnotruf oder einer Ärztin oder einem Arzt tust du Folgendes: Nach dem Verschlucken kleine Mengen Wasser, Tee oder Saft zur Verdünnung geben. Bei Augenkontakt mindestens zehn Minuten unter fließendem Wasser spülen. Bei Hautkontakt Kleidung entfernen und die Haut unter fließendem Wasser abspülen. Bei Einatmen für frische Luft sorgen.
Zahlen zu Vergiftungen
- Die sieben Giftinformationszentren erhalten jährlich rund 300.000 Anrufe. Seit dem 1. Januar 2026 müssen sie ihre Fälle an das Vergiftungsregister des BfR melden.
- Das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen (Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein) dokumentierte 2025 insgesamt 52.573 Vergiftungs- und Verdachtsfälle, 51,3 % davon betrafen Kinder unter 15 Jahren und 34,2 % Kinder zwischen 1 und 4 Jahren. 83,6 % der Fälle ereigneten sich im Haushalt. Die Zahlen gelten für diese Region.
- Nach Angaben des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) betreffen rund 90 % aller Vergiftungsunfälle Kleinkinder zwischen etwa zehn Monaten und vier bis fünf Jahren.
Verbrennung und Verbrühung: Sofortmaßnahmen
Bei Verbrennungen und Verbrühungen löschst du brennende Kleidung, ziehst durchnässte Kleidung rasch aus, kühlst nur kleine Flächen kurz und rufst bei größeren Verletzungen die 112. So empfiehlt es das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG):
- Brennende Kleidung mit Wasser oder einer Decke löschen oder das Kind am Boden wälzen.
- Bei Verbrühungen durchtränkte Kleidung rasch, aber vorsichtig ausziehen.
- Kleine Flächen, zum Beispiel an einem Finger, mit handwarmem Wasser (mindestens 15 °C) kühlen, aber höchstens zehn Minuten. Eine Unterkühlung musst du unbedingt vermeiden.
- Großflächige Verbrennungen nicht kühlen, wegen der Gefahr der Unterkühlung. Decke sie locker und ohne Druck mit einem keimfreien Verbandtuch ab.
- Den Rettungsdienst unter 112 verständigen.
- Keine Hausmittel wie Mehl, Puder oder Öl, keine Brandsalben und Brandbinden, kein Eis und kein Eiswasser.
- Den Impfpass mitnehmen, wegen des Tetanusschutzes.
Die Angaben zur Kühlung unterscheiden sich im Detail zwischen den Fachquellen: Die Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin nennt Leitungswasser von etwa 20 °C nur für kleinflächige Verletzungen bis etwa 5 % der Körperoberfläche, Paulinchen e. V. etwa zehn Minuten bei rund 20 °C. Gemeinsam ist: kleine Flächen kurz mit handwarmem Wasser, große Flächen nicht kühlen, steril abdecken und die 112 wählen.
Zahlen zu Verbrennungen
- 2023 dokumentierte das Verbrennungsregister der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin 1.864 stationär behandelte brandverletzte Kinder bis 15 Jahre. 74 % hatten sich verbrüht, 97 % der Unfälle waren Haus- oder Freizeitunfälle. 35 % der Kinder waren 0 bis 1 Jahr alt und 33 % 2 bis 3 Jahre. Die Teilnahme am Register ist freiwillig, 58 % der Kinder waren vor der Aufnahme gekühlt worden.
- 2024 wurden 6.617 Kinder unter 15 Jahren mit der Hauptdiagnose Verbrennung oder Verätzung stationär behandelt, 59 % davon waren zwischen 1 und 5 Jahren alt.
Ertrinken: schnell, lautlos, auch in flachem Wasser
Kinder können lautlos und auch in sehr flachem Wasser ertrinken: Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums reichen bei Kindern bis etwa 15 Monate schon 10 Zentimeter Wassertiefe. Die wichtigste Regel ist deshalb, Kinder im und am Wasser nie aus den Augen zu lassen. Das empfehlen die Leitlinien 2025 im Ernstfall:
- Geh nicht ins Wasser, wenn du nicht in Wasserrettung ausgebildet bist, sonst gerätst du selbst in Gefahr.
- Erreiche die Person von Land aus und wirf einen Rettungsring, eine Schwimmhilfe oder Boje zu. Ruf den Rettungsdienst und behalte die Person oder die Stelle, an der du sie zuletzt gesehen hast, im Blick.
- Ausgebildete Helfende halten den Kopf über Wasser und bringen die Person so schnell wie gefahrlos möglich an Land. Bei einer bewusstlosen Person ohne Atmung geben sie wenn möglich und sicher fünf Atemspenden schon im Wasser.
- An Land: Reagiert die Person nicht und atmet nicht, beginnst du mit fünf Atemspenden, danach mit der Standard-Wiederbelebung. Den Defibrillator schließt du erst an, nachdem du die Brust abgetrocknet hast. Bei Kindern hat die ununterbrochene Wiederbelebung Vorrang vor dem Defibrillator.
- Atmet die Person, bringst du sie in die stabile Seitenlage und hältst sie warm. Nasse Kleidung entfernen, mit trockenen Decken zudecken und vor Wind schützen.
So erkennst du Ertrinken
Ertrinken ist meist nicht laut. Warnzeichen sind Schwimmer, die sich nicht vorwärts bewegen, senkrecht im Wasser treiben, den Kopf tief im Wasser haben oder nach Luft schnappen.
Zahlen zum Ertrinken
- Nach der DLRG ertranken 2025 in Deutschland mindestens 393 Menschen (2024: 411), darunter 13 Kinder bis 10 Jahre. In den Jahren davor waren es 14 (2024), 17 (2023), 20 (2022), 17 (2021), 23 (2020) und 25 (2019).
- Das Statistische Bundesamt zählte 2025 24 Kinder unter 15 Jahren, die durch Ertrinken starben. 2024 wurden 304 Kinder unter 15 Jahren nach Beinahe-Ertrinken stationär behandelt.
Kinderunfälle in Zahlen: Wo und wie sie passieren
Etwa jedes sechste Kind verunglückt innerhalb eines Jahres so, dass es ärztlich behandelt werden muss. Das Bundesgesundheitsministerium schätzt, dass jährlich etwa 1,9 Millionen Kinder unter 15 Jahren nach einem Unfall ärztlich versorgt werden. Je jünger die Kinder, desto häufiger passiert es zu Hause:
| Altersgruppe | Unfälle zu Hause oder im privaten Umfeld |
|---|---|
| 1 bis 2 Jahre | 76,5 % |
| 3 bis 6 Jahre | 45,6 % |
| 7 bis 10 Jahre | 25,5 % |
Jedes zweite verunfallte Kind zwischen 3 und 6 Jahren (49,8 %) verletzte sich bei einem Sturz. Das zeigt die KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts (Welle 2, 2014 bis 2017). Von den ärztlich behandelten Kindern wurden 12,4 % stationär aufgenommen.
Woran Kinder bei Unfällen sterben
2025 starben in Deutschland 170 Kinder unter 15 Jahren an den Folgen eines Unfalls (2024: 143), nach den Daten des Statistischen Bundesamts:
| Unfallart | Verstorbene Kinder unter 15 Jahren, 2025 |
|---|---|
| Transportmittelunfälle | 82 |
| Ertrinken | 24 |
| Stürze | 13 |
| Rauch, Feuer, Flammen | 6 |
| Akzidentelle Vergiftungen | 4 |
Im Straßenverkehr verunglückten 2025 rund 29.270 Kinder unter 15 Jahren, 7 % mehr als im Vorjahr. 74 wurden getötet. Die Straßenverkehrsunfallstatistik und die Todesursachenstatistik erfassen unterschiedlich, deshalb weichen die Zahlen zu Verkehrsopfern voneinander ab. 2024 wurden 169.405 Kinder unter 15 Jahren wegen Verletzungen oder Vergiftungen vollstationär behandelt, 2019 waren es noch 194.042.
Erste-Hilfe-Kurs für Eltern: Reicht der Führerschein-Kurs?
Der Kurs für den Führerschein reicht für Kindernotfälle meist nicht aus. Für den Führerscheinerwerb verlangt die Fahrerlaubnis-Verordnung eine Erste-Hilfe-Schulung von mindestens neun Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten, ohne Kinderthemen zu nennen. Auch die Lernziele der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung für die Standardausbildung betrieblicher Ersthelfender erwähnen Kinder und Säuglinge nicht ausdrücklich. Die Leitlinien 2025 empfehlen dagegen allen Eltern und Betreuungspersonen, grundlegende Kenntnisse zum Erkennen kritischer Erkrankungen und Verletzungen und zu lebensrettenden Maßnahmen bei Kindern zu erlernen. Das BIÖG verweist dafür auf spezielle Kurse bei Hilfsorganisationen, Hebammen und in der Familienbildung.
- In einer repräsentativen Umfrage (2025, 1.002 Erwachsene) hatten 95 % schon einmal einen Erste-Hilfe-Kurs besucht. 46 % fühlten sich bei der Herzdruckmassage eher oder sehr unsicher, bei 24 % lag der letzte Kurs mehr als 20 Jahre zurück.
- In einer Umfrage von 2019 unter mehr als 1.000 Eltern gab die Hälfte an, sich Sorgen zu machen, dem eigenen Kind im Notfall nicht helfen zu können. 45 % wussten nach eigener Aussage nicht, wie sie einem Kind Erste Hilfe leisten.
Frische dein Wissen daher regelmäßig auf, am besten mit einem Kurs, in dem du an Säuglings- und Kinderpuppen übst.
Mythen und Fakten: Was in der Ersten Hilfe wirklich gilt
| Mythos | Fakt |
|---|---|
| Bei der Wiederbelebung kann ich dem Kind schaden. | Bei der Laienreanimation ist Nichtstun der einzige wirklich große Fehler. Retten ist wichtiger, als mögliche Verletzungen zu vermeiden. |
| Ohne Beatmung ist Wiederbelebung bei Kindern sinnlos. | Herzdruckmassage mit Beatmung ist der Standard. Wer nicht beatmen will oder kann, soll aber auf jeden Fall drücken. |
| Bei Verschlucken immer sofort mit dem Finger im Mund nachgreifen. | Nicht blind im Mund suchen. Nur deutlich sichtbare Fremdkörper mit einem einzigen Wischen entfernen. |
| Absauggeräte ersetzen Rückenschläge und Stöße. | Für diese Geräte gibt es laut ERC keine verlässlichen Belege, weder für noch gegen sie. |
| Bei Vergiftung Erbrechen auslösen oder Milch trinken lassen. | Kein Erbrechen auslösen und keine Milch geben. Zuerst den Giftnotruf anrufen. |
| Brandsalbe, Mehl, Öl oder Eis helfen bei Verbrühungen. | Hausmittel, Brandsalben und Eis schaden eher. Kleine Flächen kurz mit handwarmem Wasser kühlen, große nicht. |
| Ertrinken ist laut und fällt sofort auf. | Ertrinken kann lautlos sein und auch in flachem Wasser geschehen. |
| Eine verschluckte Knopfzelle geht von allein ab, man kann abwarten. | Schon bei Verdacht gehört das Kind sofort in eine Kinderklinik oder Notaufnahme. Verätzungen können bereits nach etwa zwei Stunden tief gehen. |
Häufige Fragen
Was gehört in den Notruf?
Wo ist der Notfall, was ist passiert, wie viele Betroffene gibt es (bei Kindern das Alter), welche Verletzung oder Beschwerden liegen vor. Dann wartest du auf Rückfragen und beendest das Gespräch erst, wenn die Leitstelle es sagt.
Wann rufe ich bei meinem Kind die 112?
Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, Atemnot, blauer oder grauer Haut, nicht wegdrückbarem Ausschlag, starken Schmerzen oder wenn du unsicher bist. Die 112 ist kostenlos und gilt immer.
Mein Kind hat sich verschluckt und kann nicht husten. Was tun?
Ruf den Rettungsdienst und gib bis zu fünf Rückenschläge. Hilft das nicht, folgen bis zu fünf Stöße: beim Säugling Brustkorbkompressionen mit zwei Daumen, bei Kindern Bauchstöße. Im Wechsel weitermachen und bei Bewusstlosigkeit sofort mit der Wiederbelebung beginnen.
Mein Kind hat eine Knopfzelle oder Magnete verschluckt. Was jetzt?
Fahre sofort in eine Kinderklinik oder Notaufnahme oder ruf den Rettungsdienst. Warte nicht auf Beschwerden, denn bei Knopfzellen können schon nach etwa zwei Stunden tiefe Verätzungen entstehen.
Wen rufe ich bei Vergiftungsverdacht an?
Das Giftinformationszentrum (Nummern oben). Bei Bewusstlosigkeit wählst du die 112. Kein Erbrechen auslösen und keine Milch geben.
Wie versorge ich eine Verbrühung richtig?
Durchnässte Kleidung ausziehen, kleine Flächen höchstens zehn Minuten mit handwarmem Wasser (mindestens 15 °C) kühlen, große Flächen nicht kühlen und locker abdecken, 112 wählen. Keine Hausmittel, kein Eis.
Wie schnell ertrinken Kinder und woran erkenne ich es?
Kinder bis etwa 15 Monate können schon in 10 Zentimetern Wasser ertrinken. Ertrinken kann lautlos sein. Warnzeichen sind fehlende Vorwärtsbewegung, senkrechtes Treiben und ein tief liegender Kopf.
Wie läuft die Wiederbelebung bei einem Säugling ab?
Notruf, dann Herzdruckmassage mit zwei Daumen auf der unteren Hälfte des Brustbeins, Tempo 100 bis 120 pro Minute. Wenn du beatmest, beginnst du mit fünf Beatmungen und wechselst dann im Verhältnis 30 zu 2 (mit Kinder-Ausbildung 15 zu 2). Ohne Ausbildung folgst du den Anweisungen der Leitstelle.
Was, wenn ich mich nicht traue zu beatmen?
Dann drücke wenigstens. Die Leitstelle soll dich dazu ermutigen. Mit Beatmung ist es der Standard und mit besseren Ergebnissen verbunden, aber Drücken ohne Beatmung ist besser als nichts zu tun.
Wie oft werden Kinder reanimiert und wie oft helfen Laien?
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren machen nur etwa 1,2 bis 1,4 % der außerklinischen Wiederbelebungen aus. Bei Kindern begannen in einer Registerauswertung bei 56 % Laien mit der Wiederbelebung.
Reicht mein Führerschein-Kurs für Kindernotfälle?
Meist nicht. Die vorgeschriebenen Lernziele nennen Kinder und Säuglinge nicht ausdrücklich. Die Leitlinien empfehlen Eltern ausdrücklich Grundkenntnisse für Kindernotfälle, zum Beispiel aus einem speziellen Kurs.
Wie häufig sind Kinderunfälle in Deutschland?
16,5 % der 1- bis 17-Jährigen wurden innerhalb eines Jahres wegen einer Unfallverletzung ärztlich behandelt. 2024 gab es 169.405 stationäre Behandlungen bei Kindern unter 15 Jahren, 2025 starben 170 Kinder bei Unfällen.
Über diese Seite
KidsDoc ist das Angebot von Kindsköpfe Media GmbH für Eltern: Online-Kurse, Ratgeber und die KidsDoc App. Diese Seite hat die KidsDoc Redaktion auf Basis der Leitlinien des European Resuscitation Council 2025 (deutsche Fassung des Deutschen Rats für Wiederbelebung), von Informationen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit und des Bundesinstituts für Risikobewertung, von amtlichen Statistiken und von Studien zusammengestellt. Sie ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs. Stand: Oktober 2026.
Quellen
- European Resuscitation Council, Deutscher Rat für Wiederbelebung (GRC): Reanimation 2025: Leitlinien kompakt, Kapitel Lebenserhaltende Maßnahmen bei Kindern, Erste Hilfe (deutsche Fassung der ERC-Leitlinien 2025), 2. Auflage (2026). Zur Leitlinie
- Djakow J et al.: European Resuscitation Council Guidelines 2025 Paediatric Life Support. Resuscitation 215:110767 (2025). DOI
- Markel F, Habicht S: Lebenserhaltende Maßnahmen bei Kindern: Kommentar zu den Leitlinien des ERC 2025. Notfall + Rettungsmedizin 29:573-578 (2025). Zum Artikel
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Todesursachen in Deutschland 2025 und 2024, Statistischer Bericht, Tabellen 23211 (2026). Zur Quelle
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Diagnosen der Krankenhauspatienten 2024, Statistischer Bericht, Tabelle 23131-b01 (2025). Zur Quelle
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Pressemitteilung Nr. N055: Zahl der bei Verkehrsunfällen verunglückten Kinder 2025 um 7 % gestiegen (10.08.2026) (2026). Zur Meldung
- Robert Koch-Institut: Unfallverletzungen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland: KiGGS Welle 2. Journal of Health Monitoring 3(3) (2018). Zum Artikel
- Saß A-C, Kuhnert R, Gutsche J: Unfallverletzungen im Kindes- und Jugendalter: Prävalenzen, Unfall- und Behandlungsorte, Mechanismen. Bundesgesundheitsblatt 62:1174-1183 (2019). DOI
- Bundesgesundheitsministerium: Prävention von Kinderunfällen (2026). Zur Quelle
- gesund.bund.de (BMG): Kinderunfälle: Ein Risiko, das sich verringern lässt (2025). Zur Quelle
- BIÖG, Informationen zur Laienreanimation in Deutschland (Infoblatt): Informationen zur Laienreanimation in Deutschland (2025). Zum Infoblatt
- Deutsches Reanimationsregister (DGAI): Jahresbericht Außerklinische Reanimation 2024 und 2025 (2026). Zu den Jahresberichten
- Katzenschlager S et al.: Out-of-hospital cardiac arrest in children: an epidemiological study based on the German Resuscitation Registry identifying modifiable factors for return of spontaneous circulation. Critical Care 27 (2023). DOI
- BIÖG, kindergesundheit-info.de: Notfallsituationen (05.05.2025), Merkzettel für den Notfall, Giftinformationszentralen (Giftnotruf) und Vergiftungen und Verätzungen verhindern (2026). Zur Quelle
- DLRG: Statistik Ertrinken 2025 und 2024 (Jahresbilanz) (2026). Zur Statistik
- BfR: Gefährliche Verätzungen im Hals: Fragen und Antworten zu Knopfzellen (2023) und Pressemitteilung 29/2024 (2024). Zur Quelle
- BfR: Giftinformationszentren in Deutschland und Das Deutsche Vergiftungsregister (2026). Zur Liste
- Giftinformationszentrum-Nord: Jahresbericht 2025 (Version vom 12.08.2026) (2026). Zum Jahresbericht
- BIÖG, kindergesundheit-info.de: Sofortmaßnahmen bei Brandverletzungen (2025). Zur Quelle
- Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin: Verbrennungsregister, Jahresbericht 2024 (Daten 2023), und Erste Hilfe bei Brandverletzungen (2025). Zum Jahresbericht
- Paulinchen e. V.: So schützen Sie Ihr Baby vor Verbrennungen und Verbrühungen (2026). Zur Quelle
- Deutsches Ärzteblatt, dpa: Kinderchirurgen warnen vor Magnetspielzeug (15.04.2024) (2024). Zur Meldung
- DGUV: Grundsatz 304-001: Ermächtigung von Stellen für die Aus- und Fortbildung in der Ersten Hilfe (2022). Zur Quelle
- Bundesrepublik Deutschland: Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), § 19 Ausbildung in Erster Hilfe (2026). Zum Gesetz
- forsa im Auftrag der Johanniter-Unfall-Hilfe: Wissen, Erfahrungen und Einstellungen der Bürgerinnen und Bürger zu Erste Hilfe (2025). Zur Umfrage
- Ärzte Zeitung: Mangelnde Kenntnisse in Erster Hilfe (08.10.2019) (2019). Zur Meldung