Themenwelt 11 Min. Lesezeit Stand: Oktober 2026

Sprachentwicklung bei Kindern: Meilensteine, Late Talker und Hilfe

Spricht mein Kind genug? Kaum ein Thema löst so viel stillen Vergleich unter Eltern aus. Hier findest du Zahlen und Fakten zur Sprachentwicklung bei Kindern, geordnet nach den deutschen Leitlinien.

Kurz erklärt

Die meisten Kinder sprechen zwischen 1 und 1,5 Jahren ihre ersten Wörter, die Spanne reicht aber von etwa 9 Monaten bis rund 2,5 Jahren. Als Late Talker gelten Kinder, die mit 2 Jahren weniger als 50 Wörter sprechen oder noch keine Wörter kombinieren, je nach Studie 10 bis 20 % der Zweijährigen. Nur etwa ein Drittel bis die Hälfte von ihnen holt bis zum 3. Geburtstag auf, deshalb raten die Leitlinien, die Entwicklung genau zu beobachten statt nur abzuwarten.

  • Die Spanne normaler Entwicklung ist groß, feste Wortzahlen sind nur eine Orientierung
  • Unter 50 Wörtern mit 2 Jahren heißt: genau beobachten und ärztlich ansprechen
  • Bei Verdacht auf eine Verzögerung gehört immer eine Hörprüfung dazu
  • Mehrsprachigkeit verursacht keine Sprachentwicklungsstörung

Wichtig: Diese Seite ersetzt keinen Arztbesuch. Der Gang zum Kinder- und Jugendarzt ist immer die bessere Entscheidung, wenn du unsicher bist, Warnzeichen siehst oder dir Sorgen machst.

Zahlen und Fakten

Quellen am Ende der Seite.

  • 7,5 %

    der Kinder haben nach der S3-Leitlinie eine umschriebene Sprachentwicklungsstörung ohne weitere Beeinträchtigung, weitere 2,3 % eine mit Begleiterkrankung.

  • unter 50

    Wörter mit 24 Monaten: Ab dieser Schwelle sprechen Fachleute von Late Talkern, auch wenn keine Wörter kombiniert werden.

  • 10 bis 20 %

    der Zweijährigen gelten je nach Studie und Kriterium als Late Talker, Jungen häufiger als Mädchen.

  • 1 von 3

    Late Talkern holt laut S3-Leitlinie bis zum 3. Geburtstag auf, je nach Studie bis zur Hälfte.

  • 15,0 %

    der 3- bis 6-Jährigen nutzen innerhalb eines Jahres Logopädie (Elternangaben, KiGGS Welle 2).

  • 2 von 1.000

    Neugeborenen haben eine bleibende Hörstörung. Deshalb gehört bei Sprachverzögerung immer eine Hörprüfung dazu.

Ab wann sprechen Kinder? Meilensteine nach Alter

Die Mehrheit der Kinder spricht zwischen dem 12. und 18. Lebensmonat erste Wörter. Manche starten mit 9 oder 12 Monaten, manche erst mit etwa 2,5 Jahren. Mädchen sind im Mittel etwas schneller. Die Tabelle zeigt, was in welchem Alter zu erwarten ist.

AlterDas ist typisch
12 MonateDeutlich artikulierte Silbenverdopplungen wie "ga-ga" oder "ba-ba", "Mama" und "Papa" werden gezielt gebraucht.
12 bis 18 MonateDie meisten Kinder sprechen erste Wörter. Die Spanne reicht von etwa 9 Monaten bis rund 2,5 Jahren.
18 MonateLebhafte Lautbildung und ein dialogisches "Reden", einzelne Wörter als Symbolsprache.
20 MonateDer aktive Wortschatz liegt bei normal entwickelten Kindern bei etwa 50 bis 200 Wörtern.
24 MonateMindestens 20 Wörter außer Mama und Papa und gut verständliche Zweiwortsätze. Die Vorsorge U7 orientiert sich an mindestens 10 Wörtern. Unter 50 Wörtern oder ohne Wortkombinationen sprechen Fachleute von einem Late Talker.
36 MonateDrei- bis Fünfwortsätze, keine auffälligen Aussprachefehler. Die U7a erwartet mindestens Dreiwortsätze, die Ich-Form und den eigenen Rufnamen.
48 MonateKleine Ereignisse werden in weitgehend richtiger Reihenfolge erzählt. Die U8 erwartet Sechswortsätze in Kindersprache und kleine Geschichten.
60 MonateEreignisse in richtiger Reihenfolge, einfache und korrekte Grammatik. Die U9 erwartet eine weitgehend fehlerfreie Aussprache.
SchulbeginnDer aktive Wortschatz liegt über 3.000 Wörtern, Haupt- und Nebensätze gelingen problemlos.

Die sogenannten Grenzsteine der Entwicklung bezeichnen Ziele, die 90 bis 95 % der Kinder bis zu diesem Alter erreicht haben. Alle anderen Angaben sind Orientierung: Je nach Quelle und Test gelten unterschiedliche Wortzahlen, und es gibt keinen einzelnen Normwert. Bei einem Test mit 600 abgefragten Wörtern kamen 24 Monate alte Kinder im Mittel auf 214 Wörter, das untere Zehntel auf bis zu 46 und das obere auf 458 und mehr.

Was ist ein Late Talker?

Als Late Talker bezeichnen Fachleute Kinder ohne erkennbare Ursache wie eine Hörstörung, die bis zum Ende des 2. Lebensjahres weniger als 50 Wörter sprechen oder noch keine Wörter miteinander kombinieren. Je nach Studie und Kriterium betrifft das 10 bis 20 % der Zweijährigen: In einer Untersuchung in Australien waren es 13,4 %, für Deutschland nennt die S3-Leitlinie 13 bis 20 %. Jungen sind häufiger betroffen.

Du hast nichts falsch gemacht

Spätes Sprechen hing in einer großen Studie nicht mit dem Bildungsstand oder Einkommen der Eltern oder mit ihrem Erziehungsverhalten zusammen. Wichtiger waren Veranlagung in der Familie und das Geschlecht.

Holen Late Talker auf?

Nur etwa ein Drittel der Kinder mit verzögerter Sprachentwicklung holt die Defizite bis zum 3. Geburtstag auf. Im Text der S3-Leitlinie steht eine Spanne von 35 bis 50 %. Bei etwa einem weiteren Drittel entwickelt sich eine Sprachentwicklungsstörung, beim Rest bleiben Sprachschwächen. Die Angaben unterscheiden sich, weil Studien den Zeitpunkt und das Kriterium für das Aufholen unterschiedlich festlegen.

  • Deutsche Langzeitdaten: Im Einschulungsalter zeigten 16 % der ehemaligen Late Talker eine umschriebene Sprachentwicklungsstörung und weitere 17 % leichtere Auffälligkeiten.
  • Eine Studie mit 39 deutschsprachigen ehemaligen Late Talkern fand in der 3. Klasse Leistungen im Normbereich, aber Unterschiede zu Gleichaltrigen bei Wortschatz, Nachsprechen von Fantasiewörtern und Rechtschreibung.
  • In einer Untersuchung von 100 Zweijährigen mit Sprachverzögerung hatten 22 % zusätzlich andere Entwicklungsprobleme. Die Autoren hielten ein generelles Abwarten nicht für gerechtfertigt.
  • Was den Verlauf vorhersagt: die Größe des Wortschatzes, das Sprachverständnis und der sozioökonomische Status. Wortkombinationen, Geschlecht und familiäre Vorbelastung sagten ihn in einer Metaanalyse mit 2.134 Kindern nicht vorher.

Vor dem 3. Geburtstag lässt sich eine Sprachentwicklungsstörung bisher nicht zuverlässig feststellen. Bis zum 36. Lebensmonat sprechen Fachleute deshalb von einer Verzögerung.

Sprachentwicklungsstörung: Wie häufig ist sie?

Eine Sprachentwicklungsstörung ist die häufigste Entwicklungsstörung im Kindesalter. Nach der S3-Leitlinie haben etwa 7,5 % der Kinder im Schuleintrittsalter eine umschriebene Störung ohne gravierende Zusatzbeeinträchtigung, weitere etwa 2,3 % eine Störung mit Begleiterkrankung wie Hörstörung oder Intelligenzminderung. Eine englische Bevölkerungsstudie fand bei 4- bis 5-Jährigen 9,9 %, im Schnitt also etwa 2 betroffene Kinder in einer Klasse von 30. Jungen sind häufiger betroffen, das Verhältnis wird mit 1,3 zu 1 bis 3 zu 1 angegeben.

Wie viele Kinder bekommen Logopädie?

  • Laut Robert Koch-Institut nutzen 6,1 % der 0- bis 17-Jährigen innerhalb eines Jahres Logopädie, bei den 3- bis 6-Jährigen 15,0 % (Jungen 17,2 %, Mädchen 12,7 %). Seit 2003 bis 2006 ist die Nutzung gestiegen, bei Jungen von 4,7 auf 7,1 % und bei Mädchen von 3,2 auf 4,9 %.
  • Im Heilmittelbericht 2025 der AOK erhielten 12,5 % der 5- bis 9-Jährigen eine Stimm-, Sprech-, Sprach- oder Schlucktherapie (Jungen 15,1 %, Mädchen 9,8 %). Im Kindesalter geht es dabei vor allem um Sprache.

Auffälligkeiten bei der Schuleingangsuntersuchung

Je nach Bundesland und Untersuchungsverfahren zeigen zwischen etwa einem Viertel und gut einem Drittel der Schulanfänger einen Befund im Bereich Sprache: In Niedersachsen waren es 25,4 % (Einschulung 2022), in Nordrhein-Westfalen 30,8 %, in Sachsen 37,0 % (2024/2025). Diese Zahlen sind Befunde einer Untersuchung, keine Diagnosen, und lassen sich zwischen den Ländern nicht vergleichen. In Nordrhein-Westfalen lag der Anteil bei Kindern mit deutscher Erstsprache bei 13,8 % und bei Kindern mit anderer Erstsprache bei 69,8 %, weil dort die Sprachkompetenz im Deutschen gemessen wird.

Wann solltest du die Sprachentwicklung abklären lassen?

Wenn dein Kind mit 2 Jahren weniger als 50 Wörter spricht oder noch keine Zweiwortsätze bildet, sprich spätestens bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung mit deiner Kinderarztpraxis. Die S3-Leitlinie empfiehlt, die Sprachentwicklung bei einem auffälligen Wortschatz innerhalb von 3 Monaten, spätestens bis zum 27. Lebensmonat, eingehend zu beobachten, inklusive Prüfung der nichtsprachlichen Fähigkeiten.

Frühe Anzeichen laut S2k-Leitlinie

Bis 24 Monate: Besorgnis der Eltern, kein Sprechbeginn, keine oder nur einzelne eigenwillige Wörter, erste Wörter deutlich später als mit 15 Monaten, keine Wortkombinationen, weniger als 50 Wörter. Bis 36 Monate: kein Aufholen, nur Ein- bis Zweiwortäußerungen.

Zuerst das Gehör prüfen

Bei Verdacht auf eine nicht altersgemäße Sprachentwicklung ist eine Hörprüfung laut Leitlinie immer vorgesehen, bevor die Sprache genauer untersucht wird. Bleibende Hörstörungen haben etwa 2 von 1.000 Neugeborenen, das Neugeborenen-Hörscreening zielt auf beidseitige Hörverluste und soll die Diagnose bis zum Ende des 3. Lebensmonats ermöglichen. Mittelohrentzündungen gehören zu den häufigsten Ursachen später auftretender Hörstörungen. Auch Fachgesellschaften raten zur Vorstellung bei Phoniatern oder Pädaudiologen, wenn mit etwa 18 Monaten noch keine einfachen Wörter da sind.

Was die Vorsorgeuntersuchungen zur Sprache prüfen

UntersuchungZeitraumSprachpunkte
U721. bis 24. LebensmonatMindestens 10 richtige Wörter ohne Mama und Papa, versteht und befolgt einfache Aufforderungen, zeigt drei Körperteile
U7a34. bis 36. LebensmonatMindestens Dreiwortsätze, Ich-Form, Rufname
U846. bis 48. LebensmonatSechswortsätze in Kindersprache, Geschichten im ungefähren zeitlichen Verlauf
U960. bis 64. LebensmonatWeitgehend fehlerfreie Aussprache, Ereignisse in einfachen Sätzen

Dazu fragt die Praxis, ob du mit der Sprachentwicklung zufrieden bist und ob dein Kind für Außenstehende verständlich ist. Nach Stottern wird ab der U7a gefragt. Etwa 5 % der Kinder stottern zwischen dem 2. und 5. Lebensjahr zeitweise, mehr Jungen als Mädchen, meist vorübergehend.

Was fördert die Sprachentwicklung? Das zeigen die Studien

Sprechen lernt dein Kind in seinem eigenen Tempo, sich beschleunigen lässt es nicht. Dein Einfluss ist aber groß. Was durch Studien gestützt ist und was auf Expertenmeinung beruht:

Das ist belegt

  • Elterntraining: Für Late Talker im 3. Lebensjahr empfiehlt die S3-Leitlinie ein strukturiertes Elterntraining (Empfehlungsgrad A). Eine Metaanalyse mit 18 Studien fand, dass von Eltern umgesetzte Interventionen die verstehende und die sprechende Sprache signifikant verbessern. Kurzfristig sind die Effekte klar, langfristig ist die Studienlage uneinheitlich.
  • Gemeinsames Bilderbuchbetrachten: In 19 Studien mit zusammen 2.594 Kindern hatten geschulte Eltern kleine Effekte auf die Sprache ihres Kindes (expressiv d = 0,41, rezeptiv d = 0,26). Eine niedrige Dosis brachte nur minimale Wirkung. Der Effekt gilt für Eltern, die ein Training erhalten haben, nicht automatisch für jedes Vorlesen.
  • Sprachtherapie: Wenn eine Sprachentwicklungsstörung festgestellt ist, empfiehlt die Leitlinie eine evidenzbasierte, störungsspezifische Sprachtherapie (Empfehlungsgrad A). Ein Cochrane-Review mit 25 Studien fand Wirkung bei Lautbildung und Wortschatz.

Das raten Fachleute (Expertenkonsens)

  • Langsam, deutlich und einfach sprechen, im Kleinkindalter ohne Babysprache.
  • Das Kind nicht zum Reden drängen, Gestik und Mimik gehören zur Verständigung.
  • Viele Gelegenheiten zum Sprechen geben, Fragen geduldig beantworten.
  • Richtig Gesagtes wiederholen und ergänzen. Fehler nicht durch Nachsprechenlassen korrigieren, sondern beiläufig richtig wiederholen.
  • Vorübergehendes Stottern nicht kommentieren.

Sprachförderung oder Sprachtherapie?

SprachförderungSprachtherapie
Für wenAlle Kinder, auch Kinder mit Förderbedarf, deren Sprachverarbeitung nicht gestört istKinder mit Sprachentwicklungsstörung nach fundierter Diagnostik
WoIm Alltag, in Familie und KitaBei Logopädinnen und Logopäden
WichtigBei einer Sprachentwicklungsstörung reichen Fördermaßnahmen nicht ausEine Störung wird in der Regel von Fachärztinnen und Fachärzten für Phoniatrie und Pädaudiologie festgestellt und logopädisch behandelt

Mehrsprachigkeit, Bildschirmmedien und Schnuller

Mehrsprachig aufwachsen

Mehrsprachigkeit verursacht laut S3-Leitlinie keine Sprachentwicklungsstörung und erhöht das Risiko nicht. Liegt bei einem mehrsprachigen Kind eine Störung vor, betrifft sie alle seine Sprachen. Eltern sollen in der Sprache mit dem Kind sprechen, in der sie sich am wohlsten fühlen, und beide Sprachen brauchen ausreichend Anregung. Der Wortschatz in der einzelnen Sprache ist bei mehrsprachigen Kindern oft kleiner als bei einsprachigen.

Bildschirmmedien

Eine Metaanalyse mit 42 Studien und 18.905 Kindern fand einen kleinen negativen Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und Sprachleistung (r = -0,14, bei Fernsehen im Hintergrund -0,19). Gemeinsames Anschauen (r = 0,16) und Bildungsprogramme (r = 0,13) gingen dagegen mit besseren Sprachleistungen einher. Dass Bildschirme Sprachprobleme verursachen, ist damit nicht bewiesen. Die Empfehlungen zur Dauer unterscheiden sich:

  • WHO (2019): Unter 2 Jahren werden Bildschirme nicht empfohlen, bei 2- bis 4-Jährigen höchstens eine Stunde am Tag, weniger ist besser.
  • Deutsche Medienleitlinie für Eltern: 0 bis 3 Jahre bildschirmfrei, 3 bis 6 Jahre höchstens 30 Minuten am Tag.

Schnuller

Die Studienlage ist dünn und uneinheitlich. Untersucht wurde fast nur die Aussprache, nicht Wortschatz oder Grammatik. Am ehesten fand sich ein Zusammenhang zwischen der Dauer des Saugens und Aussprachestörungen.

Mythen und Fakten: Was bei der Sprachentwicklung wirklich gilt

MythosFakt
Mehrsprachigkeit verzögert die Sprachentwicklung.Sie verursacht keine Sprachentwicklungsstörung und erhöht das Risiko nicht.
Late Talker holen das von allein auf, man kann abwarten.Nur etwa ein Drittel bis die Hälfte holt bis zum 3. Geburtstag auf. Die Leitlinie empfiehlt eine eingehende Beobachtung und bei Bedarf frühe Unterstützung.
Jungen sprechen eben später.Mädchen sind im Mittel etwas schneller, der Unterschied ist klein. Jungen sind häufiger von Störungen betroffen, abgeklärt wird aber bei beiden gleich.
Fernsehen und Tablets verursachen Sprachstörungen.Es gibt einen kleinen Zusammenhang mit der Bildschirmzeit, der von Inhalt und gemeinsamem Anschauen abhängt. Eine Ursache ist nicht bewiesen.
Der Schnuller verursacht Sprachprobleme.Die Belege sind dünn und betreffen vor allem die Aussprache.
Eltern sind schuld, wenn ihr Kind spät spricht.Primäre Sprachentwicklungsstörungen gelten als genetisch bedingt. Bildungsstand, Einkommen und Erziehungsverhalten erklärten spätes Sprechen in einer großen Studie nicht.
Wenn mein Kind alles versteht, ist alles in Ordnung.Eltern überschätzen oft das Sprachverständnis betroffener Kinder, weil sich Alltagssituationen wiederholen. Zusätzliche Verständnisprobleme sprechen für eine genauere Abklärung.
Man sollte das Kind Wörter nachsprechen lassen und verbessern.Fachleute raten, Fehler beiläufig richtig zu wiederholen und zu ergänzen, statt zum Nachsprechen aufzufordern.

Häufige Fragen

Ab wann sprechen Kinder ihre ersten Wörter?

Die Mehrheit zwischen 12 und 18 Monaten. Manche beginnen mit 9 oder 12 Monaten, manche erst mit etwa 2,5 Jahren.

Wie viele Wörter sollte ein Kind mit 2 Jahren sprechen?

Einen einzelnen Normwert gibt es nicht. Late Talker sprechen mit 24 Monaten weniger als 50 Wörter. Als Grenzstein gelten mindestens 20 Wörter außer Mama und Papa, die Vorsorge U7 orientiert sich an mindestens 10 Wörtern.

Was ist ein Late Talker?

Ein Kind ohne erkennbare Ursache wie eine Hörstörung, das mit 2 Jahren weniger als 50 Wörter spricht oder noch keine Wörter kombiniert. Je nach Studie sind es 10 bis 20 % der Zweijährigen.

Holen Late Talker das von allein auf?

Nach der S3-Leitlinie nur etwa ein Drittel bis zum 3. Geburtstag, im Text der Leitlinie 35 bis 50 %. Bei etwa einem weiteren Drittel entwickelt sich eine Sprachentwicklungsstörung.

Ab wann spricht man von einer Sprachentwicklungsstörung statt von einer Verzögerung?

Bis zum 36. Lebensmonat spricht man von einer Verzögerung. Vor dem 3. Geburtstag lässt sich eine Störung nicht zuverlässig feststellen. Als bedeutsam gilt eine Abweichung von mindestens 1,5 Standardabweichungen unter dem Mittelwert in standardisierten Tests.

Wie viele Kinder haben eine Sprachentwicklungsstörung?

Nach der S3-Leitlinie etwa 7,5 % ohne und weitere 2,3 % mit Begleiterkrankung, zusammen rund 10 %. Eine englische Bevölkerungsstudie fand 9,9 % bei 4- bis 5-Jährigen.

Sprechen Jungen später als Mädchen?

Im Mittel sind Mädchen bei Gesten, Wortschatz und Wortkombinationen leicht voraus. Jungen sind häufiger von Sprachentwicklungsstörungen betroffen und nehmen häufiger Logopädie in Anspruch (7,1 % gegenüber 4,9 % laut RKI).

Was wird bei den U-Untersuchungen zur Sprache geprüft?

Die Kinder-Richtlinie sieht ab der U7 orientierende Sprachpunkte vor, etwa mindestens 10 Wörter, später Dreiwort- und Sechswortsätze. Außerdem wird gefragt, ob du zufrieden bist, ob dein Kind verständlich spricht und ab der U7a, ob es stottert.

Wird bei verspätetem Sprechen das Gehör geprüft?

Ja. Bei Verdacht auf eine nicht altersgemäße Sprachentwicklung ist eine Hörprüfung vor der Sprachdiagnostik vorgesehen. Allen Neugeborenen wird ein Hörscreening angeboten.

Verursacht Mehrsprachigkeit Sprachprobleme?

Nein. Die S3-Leitlinie hält fest, dass Mehrsprachigkeit keine Sprachentwicklungsstörung verursacht und das Risiko nicht erhöht.

Schaden Bildschirmmedien der Sprachentwicklung?

Eine Metaanalyse fand einen kleinen negativen Zusammenhang mit der Bildschirmzeit. Gemeinsames Anschauen und Bildungsprogramme gingen mit besseren Werten einher. Ein Beweis für eine Ursache ist das nicht.

Was ist der Unterschied zwischen Sprachförderung und Sprachtherapie?

Sprachförderung richtet sich an alle Kinder und setzt voraus, dass die Sprachverarbeitung nicht gestört ist. Sprachtherapie ist für Kinder mit einer Sprachentwicklungsstörung nach fundierter Diagnostik gedacht. Bei einer Störung reichen Fördermaßnahmen nicht aus.

Über diese Seite

KidsDoc ist das Angebot von Kindsköpfe Media GmbH für Eltern: Online-Kurse, Ratgeber und die KidsDoc App. Diese Seite hat die KidsDoc Redaktion auf Basis der S3-Leitlinie Therapie von Sprachentwicklungsstörungen (AWMF 049-015), der S2k-Leitlinie zur Diagnostik (AWMF 049/006), der Kinder-Richtlinie des G-BA, von Daten des Robert Koch-Instituts und von Studien zusammengestellt. Stand: Oktober 2026.

Quellen

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  2. DGPP, AWMF: S2k-Leitlinie Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen (SES) unter Berücksichtigung umschriebener Sprachentwicklungsstörungen (USES), Registernummer 049/006 (2011). AWMF-Register
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  25. dbl, Deutscher Bundesverband für Logopädie: Positionspapier Sprachentwicklungsstörungen bei Mehrsprachigkeit (2016). Zum Positionspapier
  26. DGKJ und weitere Fachgesellschaften: Medienleitlinie für Eltern: Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend (Elternversion der S2k-Leitlinie 027-075) (2023). Zur Elternversion
  27. WHO: To grow up healthy, children need to sit less and play more (24.04.2019) (2019). Zur Quelle
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