Themenwelt 12 Min. Lesezeit Stand: Oktober 2026

Beikost: Start, Plan und Sicherheit im ersten Lebensjahr

Wann ist mein Baby bereit, womit fange ich an und was ist tabu? Hier findest du Zahlen und Fakten zum Beikoststart, geordnet nach den deutschen Empfehlungen und Leitlinien, auch zur aktuellen Debatte um den richtigen Zeitpunkt.

Kurz erklärt

Nach den deutschen Empfehlungen beginnt Beikost frühestens mit dem Beginn des 5. und spätestens mit dem Beginn des 7. Lebensmonats, je nachdem, wann dein Baby Reifezeichen zeigt. Eine neue S3-Leitlinie zur Stilldauer vom Februar 2026 empfiehlt, bis zum vollendeten 6. Monat ausschließlich oder überwiegend zu stillen, mehrere Fachverbände sehen den Beikoststart deshalb anders. Einig sind sich alle in diesen Punkten: nicht vor dem 5. Monat, Allergene nicht meiden, Honig im ersten Jahr nie.

  • Zeitfenster: Beginn des 5. bis Beginn des 7. Monats, je nach Reifezeichen
  • Erster Brei mit Gemüse, Kartoffel und Fleisch oder Fisch, wegen des Eisens
  • Allergene wie Ei und Erdnuss nicht meiden: Meiden schützt nicht
  • Kein Honig im ersten Jahr und nie nur Reis

Wichtig: Diese Seite ersetzt keinen Arztbesuch. Der Gang zum Kinder- und Jugendarzt ist immer die bessere Entscheidung, wenn du unsicher bist, Warnzeichen siehst oder dir Sorgen machst.

Zahlen und Fakten

Quellen am Ende der Seite.

  • Monat 5 bis 7

    Zeitfenster für den Beikoststart in Deutschland, vom Beginn des 5. bis zum Beginn des 7. Lebensmonats, je nach Bereitschaft des Babys.

  • 87,1 %

    der Säuglinge bekamen in der deutschen Studie SuSe II mit 6 Monaten Beikost, mit 4 Monaten waren es 16,0 %.

  • 55,8 %

    der Säuglinge wurden mit 4 Monaten noch ausschließlich mit Muttermilch ernährt, mit 6 Monaten 8,3 % (SuSe II).

  • 11 mg

    Eisen pro Tag empfiehlt die DGE für Säuglinge von 4 bis unter 12 Monaten.

  • 13,7 % zu 1,9 %

    Erdnussallergie mit 5 Jahren bei Meiden gegenüber regelmäßigem Verzehr, bei Hochrisiko-Säuglingen mit negativem Hauttest (LEAP-Studie).

  • 35 %

    der Säuglinge verschluckten sich zwischen 6 und 8 Monaten mindestens einmal, bei Brei und bei babygeführter Beikost gleich häufig.

Ab wann Beikost? Das Zeitfenster und die aktuelle Debatte

Nach den deutschen Empfehlungen beginnt die Beikost frühestens mit dem Beginn des 5. und spätestens mit dem Beginn des 7. Lebensmonats, also zwischen der 17. und 26. Lebenswoche. Entscheidend ist, ob dein Baby bereit ist. Das gilt auch bei erhöhtem Allergierisiko, und auch nach dem Start soll weitergestillt werden, wenn das gewünscht ist. Seit Februar 2026 gibt es dazu allerdings eine Debatte:

HerausgeberStandPosition zum Zeitpunkt
Netzwerk Gesund ins LebenElternseite 21.01.2026, Handlungsempfehlungen 2016Frühestens mit Beginn des 5., spätestens mit Beginn des 7. Monats, je nach Bereitschaft, mit Weiterstillen
BIÖG (kindergesundheit-info.de)30.09.2026Frühestens nach dem vollendeten 4. Monat, spätestens mit Beginn des 7. Monats, mit Weiterstillen
S3-Leitlinie Allergieprävention2022Frühestens ab Beginn des 5., spätestens ab Beginn des 7. Monats, je nach Bereitschaft (Empfehlungsgrad B)
ESPGHAN2017Nicht vor 4 Monaten (17 Wochen), nicht später als 6 Monate (26 Wochen)
WHO2023Im Allgemeinen mit 6 Monaten, bis zum Alter von 23 Monaten
S3-Leitlinie Stilldauer20.02.2026Reif geborene Kinder sollten bis zum vollendeten 6. Monat ausschließlich oder überwiegend gestillt werden (Grad B), die Gesamtstilldauer soll mindestens 12 Monate betragen (Grad A). Der Beikostbeginn beendet das ausschließliche Stillen
BVKJSondervotum 26.11.2025, Pressemitteilung 25.02.2026Lehnt eine starre Regel ab 7. Monat ab und möchte den Wortlaut der Allergieleitlinie behalten
GPA (Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin)02.03.2026Empfehlungen zur Beikosteinführung gelten unverändert: Beginn des 5. Monats, je nach Bereitschaft
DGEMSondervotum zur Stilldauer-LeitlinieAusschließliches Stillen bis zum Beginn des 5. Monats

Die Stilldauer-Leitlinie spricht vom Stillen, nicht ausdrücklich vom Beikostalter. Medien lasen daraus teils, Beikost solle erst ab dem 7. Monat starten. Das Netzwerk Gesund ins Leben kündigt an, seine Stillempfehlungen im Licht der neuen Leitlinie zu überarbeiten, und die Stiftung Kindergesundheit betonte im Mai 2026, die Fachorganisationen seien sich bisher einig gewesen: 17. bis 26. Lebenswoche.

Wo sich alle einig sind

Nicht vor dem Beginn des 5. Lebensmonats, nur mit Reifezeichen, mit Weiterstillen nach Wunsch, und ohne Allergene zu meiden. Diese Seite stellt die Positionen nebeneinander. Wann es für dein Baby genau passt, besprichst du mit deiner Kinderarztpraxis oder Hebamme.

Wie es in Deutschland bisher lief: In der Studie SuSe II mit 966 Mutter-Kind-Paaren (2018 bis 2019) erhielten 16,0 % der Säuglinge mit 4 Monaten Beikost, 87,1 % mit 6 Monaten und alle mit 12 Monaten. Mit 4 Monaten wurden 55,8 % ausschließlich mit Muttermilch ernährt, mit 6 Monaten 8,3 %.

Woran erkennst du Beikostreife?

Dein Baby ist beikostreif, wenn es mehrere dieser Zeichen zeigt. Das Netzwerk Gesund ins Leben nennt als Beispiele:

  • Es schiebt Brei nicht mehr mit der Zunge heraus, der Zungenstoßreflex lässt nach.
  • Es kann den Kopf halten und mit etwas Hilfe aufrecht sitzen.
  • Es steckt selbst Dinge in den Mund.
  • Es zeigt Interesse am Essen anderer.
  • Es öffnet den Mund, wenn der Löffel kommt.

Die meisten Kinder können mit 5 bis 6 Monaten Brei mit der Zunge nach hinten transportieren und sich mit etwa 9 bis 12 Monaten selbst füttern und einen Becher mit beiden Händen halten. Kleine Nahrungsstücke mit den Händen greifen können laut einem Review 85 % der 6 bis 7 Monate alten und 96 % der 7 bis 8 Monate alten Babys. Zu Beginn des 5. Monats musst du nicht gezielt austesten, ob dein Baby Brei annimmt: Das Zeitfenster lässt Zeit zum Abwarten.

Womit anfangen? Der Breiplan

Als Grundlage empfehlen die deutschen Fachgesellschaften und das Netzwerk Gesund ins Leben einen Breiplan, der etwa im Monatsabstand um einen Brei erweitert wird:

BreiWannWichtig
Gemüse-Kartoffel-Fleisch-BreiZum Beikoststart, ab Beginn des 5. bis 7. MonatsZuerst einige Teelöffel Gemüse, dann auf etwa 100 g steigern, dann Kartoffel und Rapsöl, zuletzt etwa 30 g mageres Fleisch und Obstsaft. Fleisch liefert gut verfügbares Eisen
Milch-Getreide-BreiEtwa einen Monat später (6. bis 8. Monat)Vollmilch bis etwa 200 ml pro Tag als Zutat, pasteurisiert oder UHT, keine Rohmilch
Getreide-Obst-BreiEtwa einen weiteren Monat später (7. bis 9. Monat)Erst danach braucht dein Baby zusätzlich Wasser
  • Fisch ersetzt ein- bis zweimal pro Woche das Fleisch, auch fettreicher Fisch. Große Raubfische wie Thunfisch oder Schwertfisch solltest du meiden.
  • Der Brei kommt vom Löffel. Trinkbreie und Trinkmahlzeiten sind nicht empfohlen.
  • Salz und Zucker werden nicht zugesetzt. Fertigprodukte sollten wenige Zutaten und keinen Salz- oder Süßungszusatz enthalten.
  • Neue Lebensmittel werden oft erst nach 8 bis 10 Angeboten akzeptiert. Gib nicht zu früh auf.
  • Bei selbst gekochtem Brei empfiehlt das Netzwerk gestillten Säuglingen ein Jod-Supplement, das BIÖG empfiehlt es für Babys mit ausschließlich selbst zubereiteten Breien. Die Menge besprichst du mit der Kinderarztpraxis.

Brei, Fingerfood oder beides? Was die Studien zeigen

Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt weiterhin den Breiplan als Grundlage. Fingerfood kann ergänzen. Wer ausschließlich stückige Beikost anbietet, sollte das wegen des Eisens mit der Kinderarztpraxis besprechen und sich ernährungsberaten lassen. Harte Gemüsestücke und ganze Nüsse können eingeatmet werden und gehören nicht auf den Teller.

Zur Praxis in Deutschland: In der Studie SuSe II aßen etwa 20 % der Säuglinge mit 6 Monaten und etwa 80 % mit 12 Monaten selbstständig feste Nahrung mit den Fingern. Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei bekamen etwa 50 % der Kinder mit 6 Monaten und etwa 65 % mit 12 Monaten.

  • Verschlucken: In einer Studie mit 206 Säuglingen verschluckten sich 35 % zwischen 6 und 8 Monaten mindestens einmal, bei babygeführter Beikost (mit Beratung zur Risikominderung) und beim Standardvorgehen gleich häufig. Würgen trat mit 6 Monaten bei babygeführter Beikost häufiger auf, mit 8 Monaten seltener. Zwei Übersichtsarbeiten fanden ebenfalls keinen signifikanten Unterschied. Als wichtigster Risikofaktor gilt fehlende Aufsicht.
  • Eisen: Erhielten die Eltern Hinweise auf eisenreiche Lebensmittel, unterschieden sich Eisenzufuhr und Ferritin mit 12 Monaten zwischen babygeführter Beikost und Löffelfütterung nicht.
  • Weitere Effekte: Dass babygeführte Beikost Übergewicht vorbeugt, ist nach dem Netzwerk nicht belegt. Für das spätere Essverhalten sind die Studien uneinheitlich.

Die Studien nutzten meist eine modifizierte Form mit Beratung. Wie sicher es ohne Beratung ist, zeigen sie nicht. Wie du bei Verschlucken im Notfall handelst, steht in unserer Themenwelt Erste Hilfe bei Kindern.

Allergene einführen: Ei, Erdnuss und Fisch

Allergene wie Ei, Erdnuss und Fisch sollst du im ersten Lebensjahr nicht meiden. Die S3-Leitlinie Allergieprävention empfiehlt (Grad A), potente Nahrungsmittelallergene nicht zu meiden, und rät, durcherhitztes Hühnerei regelmäßig zu geben (Grad B). Roh oder als Rührei ist es nicht geeignet. Für Erdnuss gilt: Bei Säuglingen mit Neurodermitis in Familien mit regelmäßigem Erdnusskonsum kann die Einführung erdnusshaltiger Produkte erwogen werden (Grad C). Ist die Neurodermitis moderat bis schwer, soll vorher eine Erdnussallergie ausgeschlossen werden (Grad A). Ganze Erdnüsse und Stücke sind wegen der Gefahr, sie einzuatmen, tabu.

  • In der LEAP-Studie (640 Säuglinge mit schwerem Ekzem oder Hühnereiallergie) hatten mit 5 Jahren 13,7 % der Kinder, die Erdnuss mieden, eine Erdnussallergie, gegenüber 1,9 % bei regelmäßigem Verzehr. Diese Zahlen gelten für Hochrisiko-Säuglinge mit negativem Hauttest und lassen sich nicht auf alle Kinder übertragen.
  • In der EAT-Studie (1.303 Säuglinge aus der Allgemeinbevölkerung) war die frühe Einführung von sechs Allergenen in der Hauptauswertung nicht signifikant (5,6 % gegenüber 7,1 %). Bei denen, die den Plan einhielten, waren es 2,4 % gegenüber 7,3 %.
  • In der PreventADALL-Studie (2.397 Säuglinge) hatten mit 3 Jahren 0,9 % der früh exponierten Kinder eine Lebensmittelallergie, ohne Intervention 2,3 %.
  • Eine Metaanalyse von 12 Studien fand bei früher Einführung ein geringeres Risiko für Erdnussallergie (relatives Risiko 0,31), Hühnereiallergie (0,58) und mehrfache Lebensmittelallergien (0,49). Eine weitere zeigte mäßige Belege für den Nutzen von Ei mit 4 bis 6 Monaten und Erdnuss mit 4 bis 11 Monaten.
  • Der Zeitpunkt der Gluteneinführung hängt in einer Metaanalyse nicht mit dem Risiko einer Zöliakie zusammen. Gluten wird anfangs in kleinen Mengen eingeführt.

Die europäische Leitlinie EAACI nennt 4 bis 6 Monate als wirksamstes Alter, um Ei und Erdnuss einzuführen. Eine durch Provokationstest bestätigte Lebensmittelallergie haben nach einer europäischen Metaanalyse 0,8 % der Bevölkerung (Kinder 0,7 %), selbst berichtet werden sie deutlich häufiger (Kinder 18,7 %). Wie bei Neurodermitis die Pflege und die Vorbeugung aussehen, liest du in unserer Themenwelt Neurodermitis bei Kindern.

Eisen und Nährstoffe im ersten Beikostjahr

Im zweiten Lebenshalbjahr reicht Muttermilch allein nicht mehr aus, um den steigenden Bedarf an Eisen, Zink, Vitamin B6, Phosphor, Magnesium und Calcium sicher zu decken. Die Eisenvorräte des Babys sind nach 4 bis 6 Monaten Muttermilchernährung weitgehend erschöpft. Deshalb steht im ersten Brei Fleisch mit gut verfügbarem Hämeisen. Die DGE empfiehlt 11 mg Eisen pro Tag für Säuglinge von 4 bis unter 12 Monaten, 7 mg für Kinder von 1 bis unter 4 Jahren. Eisen und Jod gelten als kritische Nährstoffe der Beikostzeit.

Mehr zu Risikogruppen, Blutwerten und eisenreicher Ernährung findest du in unserer Themenwelt Eisenmangel bei Kindern.

Vegetarisch und vegan: Die Positionen im Überblick

In der Studie SuSe II ernährten 95,7 % der Mütter ihr Kind im ersten Lebensjahr omnivor, 3,6 % verzichteten auf Fleisch, 0,7 % boten keine tierischen Lebensmittel an. Die Fachgesellschaften bewerten die Ernährungsformen unterschiedlich:

HerausgeberPosition
Netzwerk Gesund ins LebenVegetarisch ist möglich: Statt Fleisch gibt es einen Gemüse-Kartoffel-Getreide-Brei mit einer Vitamin-C-Quelle. Von rein veganer Säuglingsernährung wird abgeraten. Wer sie dennoch wählt, braucht Vitamin B12 und weitere Ergänzungen, engmaschige ärztliche Betreuung und eine qualifizierte Ernährungsfachkraft
BIÖGDie Fachgesellschaften raten von veganer Säuglingsernährung ab. Wenn doch, sollen kritische Nährstoffe ergänzt und eng ärztlich begleitet werden
DGE (2024)Für Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende weder eine Empfehlung dafür noch dagegen wegen der eingeschränkten Datenlage. Qualifizierte Beratung wird dringend angeraten
DGKJ (2026)Vegane Ernährung erfordert erhöhte Aufmerksamkeit und ist mit guter Planung möglich. Vitamin B12 muss bei veganer Ernährung immer ergänzt werden. Eisen ist im 2. Lebenshalbjahr ein kritischer Nährstoff
ESPGHAN (2017)Vegane Ernährung nur unter medizinischer oder diätetischer Betreuung

Die Positionen setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Wenn du vegetarisch oder vegan ernähren möchtest, plane das vorab mit einer qualifizierten Ernährungsfachkraft und der Kinderarztpraxis.

Was gehört nicht auf den Teller? Honig, Reis, Salz und Verschlucktes

  • Honig: Das BfR empfiehlt, Säuglingen unter einem Jahr keinen Honig zu geben. Honig ist eine bekannte Quelle für Säuglingsbotulismus.
  • Reis: Wegen anorganischem Arsen sollen Säuglinge und Kleinkinder nicht ausschließlich mit Reisgetränken oder Reisbrei ernährt werden. Zwischenmahlzeiten wie Reiswaffeln solltest du mit reisfreien Alternativen variieren.
  • Salz und Zucker: Nicht zusetzen. Auch Trinkbreie und süße Getränke sind nicht empfohlen.
  • Kuhmilch: Als Getränk erst gegen Ende des ersten Lebensjahres, bis etwa 200 ml pro Tag als Zutat im Milch-Getreide-Brei.
  • Tees: Pfefferminz-, Kamillen- und Melissentee nicht als einziges Getränk, wegen möglicher Pyrrolizidinalkaloide.
  • Verschluckungsgefahr: Ganze Nüsse, Beeren, Hülsenfrüchte, Trauben, Cracker und Stücke von rohem Apfel und rohem hartem Gemüse sind für kleine Kinder gefährlich. Dein Kind sollte beim Essen aufrecht sitzen, nur unter Aufsicht essen und sein eigenes Tempo bestimmen.

Wann du ärztlichen Rat holen solltest

Wenn dein Baby beim Essen übermäßig wählerisch ist, feste Nahrung verweigert, kaum Appetit hat, nur bei extremer Ablenkung isst, ständig Essen hochwürgt, ausspuckt oder sich übergibt oder wenn du dir Sorgen um die Entwicklung machst. Allergische Reaktionen können innerhalb weniger Minuten auftreten, mit Juckreiz, Nesselsucht oder Schwellungen, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall, Schnupfen, Husten oder Atemnot. Ein Verdacht gehört ärztlich abgeklärt.

Mythen und Fakten: Was bei Beikost wirklich gilt

MythosFakt
Bei Allergien in der Familie sollten Ei, Fisch und Erdnuss erst nach dem 1. Geburtstag kommen.Für eine Schutzwirkung der Meidung gibt es keine Belege. Frühe Einführung von Ei und Erdnuss senkte das Risiko in mehreren Studien.
Beikost kann schon mit 3 Monaten starten, wenn das Baby Interesse zeigt.Nicht vor Beginn des 5. Monats. Die ESPGHAN nennt frühestens 4 Monate (17 Wochen).
Babygeführte Beikost führt häufiger zum Verschlucken.Studien fanden keinen signifikanten Unterschied, allerdings mit Beratung und Aufsicht. Risikolebensmittel sollen trotzdem gemieden werden.
Babygeführte Beikost ist automatisch gesünder.Vorteile bei Übergewichtsprävention sind nach dem Netzwerk nicht belegt. Die Nährstoffversorgung hängt vom Angebot ab.
Honig ist natürlich und daher unbedenklich.Honig kann Sporen enthalten und ist eine bekannte Quelle für Säuglingsbotulismus. Er gehört nicht ins erste Lebensjahr.
Reisbrei und Reisgetränke sind als Hauptnahrung unbedenklich.Wegen Arsen rät das BfR davon ab, Säuglinge ausschließlich damit zu ernähren.
Gluten möglichst spät einführen, dann bekommt das Kind keine Zöliakie.Der Zeitpunkt hängt nach einer Metaanalyse nicht mit dem Zöliakierisiko zusammen.
Muttermilch allein deckt den Bedarf bis zum Ende des ersten Jahres.Im zweiten Lebenshalbjahr deckt sie nach dem Netzwerk den Bedarf an Eisen, Zink und weiteren Nährstoffen nicht mehr sicher.

Häufige Fragen

Ab wann Beikost?

Frühestens mit Beginn des 5. und spätestens mit Beginn des 7. Lebensmonats, je nach Reifezeichen. Die S3-Leitlinie Stilldauer (02/2026) empfiehlt ausschließliches oder überwiegendes Stillen bis zum vollendeten 6. Monat, mehrere Fachverbände widersprechen dieser Lesart des Beikoststarts.

Woran erkenne ich Beikostreife?

Dein Baby schiebt den Brei nicht mehr heraus, kann den Kopf halten und mit Hilfe sitzen, steckt Dinge in den Mund, zeigt Interesse am Essen anderer und öffnet den Mund für den Löffel.

Womit fange ich an, und wie geht es weiter?

Zuerst der Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei, etwa einen Monat später der Milch-Getreide-Brei, einen weiteren Monat später der Getreide-Obst-Brei. Fisch ersetzt ein- bis zweimal pro Woche das Fleisch.

Brei, Fingerfood oder beides?

Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt den Breiplan als Grundlage, Fingerfood kann ergänzen. Wer ausschließlich stückig füttert, bespricht das wegen des Eisens mit der Kinderarztpraxis.

Verschlucken sich Babys bei babygeführter Beikost häufiger?

In einer Studie und in Übersichtsarbeiten unterschied sich die Rate nicht signifikant von der Löffelfütterung, die Studien nutzten aber Beratung zur Risikominderung. Wichtigster Risikofaktor ist fehlende Aufsicht.

Wann dürfen Ei, Erdnuss und Fisch rein?

Im Rahmen vielfältiger Beikost, ohne zu warten. Ei sollte durcherhitzt sein. Erdnuss kann bei Neurodermitis und regelmäßigem Erdnusskonsum in der Familie erwogen werden, nach Ausschluss einer Erdnussallergie bei moderater bis schwerer Neurodermitis.

Muss ich bei Allergien in der Familie später starten?

Nein. Zeitpunkt und Auswahl gelten wie bei Kindern ohne Allergierisiko. Das Meiden oder späte Einführen von Allergenen schützt nicht.

Wie viel Eisen braucht mein Baby?

Die DGE nennt 11 mg pro Tag für Säuglinge von 4 bis unter 12 Monaten. Das Netzwerk begründet Fleisch im ersten Brei mit erschöpften Eisenvorräten nach 4 bis 6 Monaten.

Darf mein Baby Honig?

Nein, im ersten Lebensjahr nicht. Honig ist eine bekannte Quelle für Säuglingsbotulismus.

Wie halte ich es mit Salz und Zucker?

Nicht zusetzen. Fertigbreie sollten keinen Salz- oder Süßungszusatz enthalten.

Was soll mein Baby trinken?

Ab dem dritten Brei zusätzlich Wasser. Süße Getränke vermeiden. Kuhmilch als Getränk erst gegen Ende des ersten Lebensjahres, im Milch-Getreide-Brei bis etwa 200 ml pro Tag.

Welche Lebensmittel bergen Verschluckungsgefahr?

Ganze Nüsse, Beeren, Hülsenfrüchte, Trauben, Cracker und Stücke von rohem Apfel oder rohem hartem Gemüse. Dein Kind sollte aufrecht sitzen und nur unter Aufsicht essen.

Geht vegetarisch oder vegan?

Vegetarisch ist laut Netzwerk mit Getreide statt Fleisch plus Vitamin C möglich. Von rein veganer Säuglingsernährung raten Netzwerk und BIÖG ab. Die DGE gibt für Kinder weder eine Empfehlung dafür noch dagegen und rät dringend zur Beratung.

Dürfen Reisbrei und Reiswaffeln auf den Plan?

In Maßen. Das BfR rät, Säuglinge und Kleinkinder nicht ausschließlich mit Reisbrei oder Reisgetränken zu ernähren und Reiswaffeln mit reisfreien Snacks zu variieren.

Wann Gluten?

Der Zeitpunkt beeinflusst das Zöliakierisiko nach heutigem Wissen nicht. Gluten wird anfangs in kleinen Mengen eingeführt, die ESPGHAN nennt 4 bis 12 Monate.

Über diese Seite

KidsDoc ist das Angebot von Kindsköpfe Media GmbH für Eltern: Online-Kurse, Ratgeber und die KidsDoc App. Diese Seite hat die KidsDoc Redaktion auf Basis der Handlungsempfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben, der S3-Leitlinien zur Allergieprävention (AWMF 061-016) und zur Stilldauer (AWMF 027-072), des ESPGHAN-Positionspapiers, der DGE und des Bundesinstituts für Risikobewertung sowie von Studien zusammengestellt. Die Positionen zum Zeitpunkt sind darin nicht einheitlich, die Seite stellt sie nebeneinander. Stand: Oktober 2026.

Quellen

  1. Netzwerk Gesund ins Leben: Reif für die Beikost (Elternseite, Stand 21.01.2026) (2026). Zur Quelle
  2. Netzwerk Gesund ins Leben: Handlungsempfehlungen Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen: Beikost (2016, Teilaktualisierung 2024) (2024). Zur Quelle
  3. Netzwerk Gesund ins Leben: Brei und Baby-led weaning: Was ist bei der Beikost zu beachten? (2023). Zur Quelle
  4. BIÖG, kindergesundheit-info.de: Einführung der Beikost und Allergierisiko (2026). Zur Quelle
  5. Kopp MV et al.: S3-Leitlinie Allergieprävention, Registernummer 061-016. Allergologie 45(3):153-194 (2022). AWMF-Register
  6. DGKJ, DGGG, DGHWi, AWMF: S3-Leitlinie Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung, Registernummer 027-072, Version 1.0 (20.02.2026) (2026). AWMF-Register
  7. Deutsches Ärzteblatt, Science Media Center: Neue S3-Leitlinie zur Stilldauer empfiehlt mindestens zwölf Monate Stillen; Press Briefing zur Stilldauer-Leitlinie (2026). Zur Quelle
  8. BVKJ: Sondervotum zur S3-Leitlinie Stilldauer (26.11.2025) und Pressemitteilung (25.02.2026) (2026). Zum Sondervotum
  9. GPA, Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin: Empfehlungen zur Beikosteinführung unter dem Schutz des Stillens gelten weiter (02.03.2026) (2026). Zur Stellungnahme
  10. Stiftung Kindergesundheit (idw): Mitteilung zur Beikosteinführung (Mai 2026) (2026). Zur Meldung
  11. Fewtrell M et al., ESPGHAN Committee on Nutrition: Complementary Feeding: A Position Paper by the European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition (ESPGHAN) Committee on Nutrition. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition 64:119-132 (2017). PubMed
  12. WHO: Guideline for complementary feeding of infants and young children 6-23 months of age (2023). Zur Leitlinie
  13. Kersting M, Hockamp N, Burak C et al.: Studie zur Erhebung von Daten zum Stillen und zur Säuglingsernährung in Deutschland (SuSe II). 14. DGE-Ernährungsbericht, Vorveröffentlichung Kapitel 3 (2020). Zum Bericht
  14. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Eisen (2025). Zur Quelle
  15. Du Toit G et al.: Randomized trial of peanut consumption in infants at risk for peanut allergy (LEAP). New England Journal of Medicine 372:803-813 (2015). PubMed
  16. Perkin MR et al.: Randomized Trial of Introduction of Allergenic Foods in Breast-Fed Infants (EAT). New England Journal of Medicine 374:1733-1743 (2016). PubMed
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  24. Daniels L et al.: Impact of a modified version of baby-led weaning on iron intake and status: a randomised controlled trial. BMJ Open 8:e019036 (2018). PubMed
  25. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Selten, aber vermeidbar: Fragen und Antworten zum Botulismus (15.06.2023) und Fragen und Antworten zu Arsengehalten in Reis und Reisprodukten (22.12.2020) (2023). Zur Quelle
  26. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Lebensmittelallergien (Themenseite) (2026). Zur Quelle
  27. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Neubewertung der Position zu veganer Ernährung. Ernährungs Umschau 71(7):60-84 (2024). Zur Position
  28. DGKJ-Ernährungskommission (Kalhoff H et al.): Vegetarische und vegane Ernährung bei Kindern und Jugendlichen: ein Update. Monatsschrift Kinderheilkunde 174:665-676 (2026). Zur Stellungnahme
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